#1

SGZ 20 Ein betrogener Ehemann

in Die Geschichten der Woche 18.11.2020 23:46
von Carlotta Lila • Federlibelle | 2.101 Beiträge | 9188 Punkte

Ein betrogener Ehemann

Seit wann läuft es denn bei euch nicht mehr so, wie es soll?
Ernesto kratzte seinen weichen Dreitagesbart und sah Lilly mit tränennassen Augen an.
„Wie, was meinst du? Zwischen uns hat immer alles gestimmt. Seit gestern erst ist sie anders.“
„Ernesto, sowas gibts nicht. Da muß es doch Vorzeichen gegeben haben, irgendwelche!“
Ernestos Blick folgte Lilly, die geübt Gläser aus dem Spüler nahm, sie kurz ansah, ob sie sauber waren und dann ins Regal über der Bar stellte.
„Gib mir noch einen Whiskey!“
„Das wär dann Nummer drei. Hey, du solltest ein bisschen aufpassen!“
„Das ist mir egal, heute ist der schwärzeste Tag meines Lebens. Ich komm heim, erzähl von meinem Gehaltssprung, wie gut das alles läuft in dem Laden von unserer Firma, der volle Erfolg für mich und dann … du hättest mal ihren eiskalten Blick sehen müssen. Kein Gefühl, kein Mitleid, nichts:
Ich habe heute meine Koffer gepackt und ziehe aus.“
„Aber überleg doch mal, irgendein Anzeichen muß es doch vorher gegeben haben. Hast du ihren Geburtstag vergessen, einen Hochzeitstag, bist du angetrunken nach Hause gekommen? Hast du eine heimliche Freundin und sie ist drauf gekommen?“
„Ich wünschte, ich hätte eine“, sagte Ernesto und verzog seinen Mund zu einem verbitterten Lächeln.
„Hat sie vielleicht einen Liebhaber?“
„Bist du verrückt, sie doch nicht.“
„Sowas soll schon vorgekommen sein. Ich meine, wenn du ihr gar keinen Grund gegeben hast. Wie lange seid ihr schon zusammen?“
„Gute zwölf Jahre, würde ich sagen. Herrgott dann geht man doch einfach nicht so, ohne ein Wort zusagen!“ Ernesto hieb mit der Faust auf den Tisch.
„Einen vierten Whiskey kriegst du aber nicht“, sagte Lilly scharf.
„Genau, einen vierten will ich und du kannst mir gleich doppelt einschenken!“
„Trink mal ein Glas Wasser dazwischen“, später schenk ich dir dann noch einen aus.“
Widerwillig schob Ernesto das Wasserglas weg, dass Lilly ihm hingestellt hatte. Er verschüttete ein wenig und wischte dann mit dem Ärmel drüber.
„Okay ich trink nichts mehr, ich zahl jetzt mal die Whiskeys. Dann muß ich glaube ich heim.“ Unbeholfen zog er seine Geldbörse aus der Sakkotasche. Als er sie öffnete, fiel ein Schlüssel heraus.
„Nicht den Wohnungsschlüssel verlieren, sonst musst du auf der Strasse schlafen“, scherzte Lilly.
„Dieser Schlüssel, der könnte der Anhaltspunkt sein. Das ist es, ja!“ Triumphierend hielt Ernesto den Schlüssel mit dem Garfieldanhänger hoch.
„Wovon redest du?“
„Ich habe ihn heute auf Olgas Nachtkästchen gefunden.“
„Ja und?“, Lilly sah Ernesto mit gerunzelter Stirn an.
„Ja und? Der Schlüssel gehört Fred, er gehört meinem Freund Fred! verstehst du: Die ganze Zeit hat sie mich mit Fred betrogen, er war mit uns, neben uns, er hat mit Olga geflirtet und ich habe nichts gemerkt. Aber du, du hast mich auf diese Idee gebracht!“
„Wovon genau redest du?“
„Vom vierten Whiskey, bring mir den jetzt, jetzt wird mir alles klar: Mein bester Freund hat mir die Frau gestohlen! Dieser Schlüssel“, Ernesto hielt den Schlüssel in die Höhe, „dieser Schlüssel beweist alles!“
Lilly nahm ein Glas, schenkte einen Doppelten und ein paar Eiswürfel ein. Als sie Ernesto das Glas hinstellte, konnte er tief in ihr Dekolte sehen.
In dem Moment läutete sein Handy. Er zog es heraus und tippte hektisch etwas ein. Dann sagte er zu Lilly: „Diese Hexe will jetzt trotzdem wissen wo ich unterwegs bin, das glaubst du nicht!“
Lilly berührte plötzlich schüchtern seine Hand: „Dazu hat sie kein Recht, wenn sie das wirklich alles getan hat!“
„Sie war mit Fred, meinem besten Freund unterwegs und hat dann irgendwie seinen Schlüssel eingesteckt."
"Deine Frau ist wirklich eine eiskalte Person ohne jedes Herz!"

Ernesto trank einen tiefen Zug Whiskey aus seinem Glas: „Ach Lilly, es ist bitter so betrogen zu werden.“ Sein Blick verfing sich in ihrem.
Plötzlich sagte er: „Ach komm her und tröste mich!“
Zögernd ging Lilly um die Bar herum. Schließlich stand sie vor ihm. Ernesto umfasste ihre üppige Figur. Sie wich nicht zurück. Es war das erste Mal, dass er ihr so nahe war, seit er sie das erste Mal in dem Lokal gesehen hatte.
„Zeig mir deine Haare, schöne Lilly!“
Langsam zog sie die Nadel aus ihrem praktisch gebundenen Knoten und eine Flut rabenschwarzer Haare ergoss sich über ihre Schultern.
Ernesto tauchte seine Nase in ihren verführerischen Ausschnitt: „Du verwendest ein tolles Parfüm! Hey, warum gehst du weg?“
Lilly entwand sich ihm und ging zur Tür des Lokals. Ich mache Feierabend für heute, nicht das ein ungebetener Gast rein kommt!“
„Nein das wäre gar nicht gut!“
Er widmete sich wieder ganz Lilly üppiger Figur: „Du bist so unglaublich weich und süß“, er küsste sie und spürte wie sie sich willig zu öffnen begann.
„Können wir nicht zu dir nach Hause gehen?“
„Es gibt hier ein kleinesHinterzimmer“, flüsterte sie verschämt.
„Was, gehst du da mit anderen Männern hin?“
„Nein, natürlich nicht, du darfst nichts Schlechtes von mir denken. Das ist nur wegen dir, du hast mir gleich von Anfang an gefallen!“
Gott war sie süß und naiv!
„Aber meine Kollegin benützt es manchmal.“
Das Zimmer war klein und eng, aber es gab eine zerschlissene große Couch, die es ausfüllte. Geübt zog Ernesto Lilly die sexy Kleider aus: den engen Kellnerinnenrock, die geschnürte Bluse, den Slip vor dem BH. Er bewunderte ihre Brüste wie eine Statue und bat sie ihre Schuhe anzulassen. Stöckelschuhe törnten ihn einfach unglaublich an. Seine Hand wanderte nach unten: „Gott, Lilly ... !“
Ernesto, ich weiß nicht, ob wir das tun dürfen. Es tut mir so leid, wegen deiner Frau und wegen allem, was du mir erzählt hast! Ich will nicht mit dir … also ich meine, du liebst sie doch noch, oder?“
„Ich weiß nicht wovon du redest, wenn ich dich berühre, vergesse ich alles!“
Ernesto knetete Lillys wunderschön geformten Busen und drang dann tiefer vor. Endlich, nach Wochen war er am Ziel seiner Wünsche angelangt. Als er zum ersten mal in diese Bar gekommen war, hatte es ihm das Mädel einfach angetan. Die Masche mit dem betrogenen Ehemann zog doch immer wieder. Zugegeben, nicht alle Frauen fielen darauf rein, aber bei Lilly hatte es perfekt funktioniert: Sie war einfach noch so jung und naiv.

Zuhause erhielt Olga zu nachtschlafener Zeit ein SMS: „Mein Schatz, ich musste wieder mal im Büro übernachten. Wenn das so weiter geht, lande ich noch in einem Burnout. Aber morgen haben wir 12. Hochzeitstag und ich habe eine tolle Überraschung für dich!
PS.: Deinen Garfield habe ich schon an den Schlüssel dran gehängt. Danke dir, ich liebe dich!


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Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben. Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es noch einmal zu versuchen.
Thomas Alva Edison
zuletzt bearbeitet 18.11.2020 23:51 | nach oben springen

#2

RE: SGZ 20 Ein betrogener Ehemann

in Die Geschichten der Woche 19.11.2020 12:34
von Bree • Federlibelle | 4.190 Beiträge | 16683 Punkte

Liebe @Carlotta Lila

es stimmt also doch: Männer sind Schweine! Was für ein A....
Spielt den betrogenen Ehemann, macht auf traurig und sensibel - und dann sowas! Und Lilly - jung, naiv und verknallt - kauft ihm jedes Wort ab. Manchmal ist uns Frauen auch einfach nicht zu helfen.
Ich meine, wenn einer schon Ernesto heißt ...!

Nachdem ich den Schluss gelesen habe, wurde mir auch klar, weshalb du - obwohl du aus Ernestos Perspektive geschrieben hast - nicht so sehr in die Tiefe gegangen bist. Wäre er wirklich der gehörnte Ehemann gewesen, hättest du bestimmt seine Trauer und Verzweiflung deutlicher gemacht. So war es gerade zu Beginn ein bisschen wie beim auktorialen Erzähler. Aber, wie gesagt, sind die Gründe dafür absolut verständlich.

Den letzten Absatz mit der SMS, da hättest du durchaus direkt bei Ernesto bleiben können. Ich stelle mir vor, dass er - mit der schlafenden Lilly neben sich - leise diese Nachricht schreibt und sie mit einem zufriedenen Lächeln absendet, ehe er sich wieder an Lilly kuschelt. (Dieser Schuft!)
Das mit dem Garfield-Anhänger, da war ich mir nicht ganz sicher, vor allem, weil er "deinen Garfield" schreibt. Ist das Olgas Anhänger oder hat sie ihn Ernesto vorzeitig zum Hochzeitstag geschenkt? Wenn ja, dann wäre ein Satz wie: "Nochmal danke für den Garfield-Anhänger. Er baumelt schon an meinem Schlüsselbund" oder so ähnlich klarer gewesen.

Auf jeden Fall eine Geschichte, die Pflichtlektüre für jedes junge Mädchen ab 16 werden sollte. Sie öffnet einem die Augen dafür, wie Männer sein können. Du hast es geschafft, dass ich richtig sauer wurde auf den Kerl. Insofern:

LG
Bree


Der Kriminalschriftsteller ist eine Spinne, die die Fliege bereits hat, bevor sie das Netz um sie herum webt.
(Sir Arthur Conan Doyle)

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Alles über meine Bücher & mich findet ihr auf meiner Website: www.brittabendixen.de
Einen eigenen Youtube-Kanal habe ich auch. Dort lese ich einige meine Geschichten.
Den Button findet ihr auf meinem Profil.
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#3

RE: SGZ 20 Ein betrogener Ehemann

in Die Geschichten der Woche 19.11.2020 16:36
von Gini • Federlibelle | 1.765 Beiträge | 3609 Punkte

@Carlotta Lila
Ey, was für ein Mistkerl. Mich hat du auch gepackt, dass ich richtig sauer bin.
Ist doch klasse, was du für Gefühle mit deiner Geschichte auslöst.
Ich hatte auch mal einen Freund der Ernesto hieß. Hat sich auch durch viele Betten
geschlafen. Ich hab erst nicht gewusst, wohin die Geschichte läuft.
Ziemlich unerwartet, für mich.


Gedanken sind nicht stets parat,/ Man schreibt auch, wenn man keine hat.

Wilhelm Busch (1832-1908)
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#4

RE: SGZ 20 Ein betrogener Ehemann

in Die Geschichten der Woche 19.11.2020 23:49
von Carlotta Lila • Federlibelle | 2.101 Beiträge | 9188 Punkte

Liebe @Bree! Ja, genau, ich hab aus Ernstes Perspektive begonnen, bin dann aber nicht in die Tiefe gegangen, weil sich zeigte, dass er ein Schurke war, der nur auf Lilly aus war.
Danke für den Tipp "SMS neben schlafender Lilly schreiben". Mit der Stelle hab ich eh nicht ganz genau gewusst, wo ich sie einbauen soll-super, werde ich so machen! Und auch die Stelle mit dem Garfield Anhänger werde ich besser ausarbeiten, ist mir jetzt auch aufgefallen - neben so einigen Wortwiederholungen, die auch weg gehören. Aber ich versuche mich immer an die zeit von 60 min zu halten (-:
Ich bin mir ja nicht sicher, ob die Story was nützen würde, sogar, wenn sie Pflichtlektüre wäre. Wer kann schon einem "Ernesto" Wiederstehen (-:
Liebe @Gini, danke auch fürs Lesen, hihi, es freut mich, dass du sauer auf ihn bist....tatsächlich, es gab so einen Ernesto in deinem Leben? Ist ja unglaublich ((((-:
Das Lustige ist: Ich wusste auch nicht, wohin die Geschichte läuft und dann plötzlich war es klar, dass er auf die Lilly aus war und eine Walze abzog.

Liebe Grüße
Carlotta Lila


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#5

RE: SGZ 20 Ein betrogener Ehemann

in Die Geschichten der Woche 20.11.2020 07:43
von Yggdrasil • Federlibelle | 1.142 Beiträge | 2923 Punkte

Ja, so spielt das Leben!


www.marten-petersen.com
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