#1

Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 10.08.2023 10:12
von Bree • Federlibelle | 4.190 Beiträge | 16683 Punkte

Hallo, ihr Lieben!
Mein Freund Ulli hat uns mit seinem neuen Thema für unsere Teerunde erneut herausgefordert. Die Aufgabe für unsere Geschichten lautet: "Zum Glück habe ich mich verwählt."
Tricky, wie ich finde, denn irgendwie nimmt das Thema das womöglich überraschende Ende vorweg.
Auf der Google-Suche nach Inspiration fand ich einen Artikel, der - wie ich finde - gut passt, und habe ihn zu einer Story gemacht.
Jetzt würde ich gern von euch wissen, ob ich ihn so lassen kann, oder wie ich ihn verbessern könnte. Titelvorschläge sind auch gern gesehen. Also gern her mit eurem Feedback! Danke im Voraus!


DIE WAHRE GESCHICHTE EINES RENTNERS AUS ROM

Luigi Spirelli blinzelte, als das laute und durchdringende Klingeln des Telefons ihn weckte. Sein erster Blick ging zum Fenster. Draußen war es noch dunkel. Sein Radiowecker sagte ihm, dass es nicht einmal sechs Uhr war. Luigi runzelte unwillig die Stirn. Wer hatte denn die Frechheit, ihn um diese Zeit anzurufen? Um es herauszufinden, würde er wohl ans Telefon gehen müssen, denn das Klingeln ließ nicht nach. Der Anrufer hatte für diese frühe Tageszeit eine erstaunliche Ausdauer.
Luigi warf die Decke zur Seite, setzte sich mit leisem Stöhnen auf und schob die Füße in seine vor dem Bett bereitstehenden Hausschuhe. Dann schlurfte er ins Wohnzimmer, schaltete das Licht ein und nahm den Anruf entgegen. „Ja?“, brummte er.
Ein lautes Rauschen war zu vernehmen, und eine aufgeregte Stimme rief etwas, doch Luigi verstand kein Wort.
„Wie bitte? Ich verstehe Sie nicht“, sagte er. Auch aus den nächsten rasch vorgebrachten Sätzen des Anrufers konnte er nichts deuten. Der Mann sprach kein Italienisch, soviel war klar.
„Tut mir leid, Sie müssen sich verwählt haben“, sagte Luigi und legte auf. Er würde ins Bett zurückgehen und noch ein wenig schlafen. Schließlich war er Rentner und musste nicht mehr in aller Frühe aufstehen.
Er war kaum im Schlafzimmer angekommen, als das Telefon sich erneut meldete. „Das darf doch nicht wahr sein!“, stöhnte Luigi und drehte sich um. Am anderen Ende des Drahtes war ein weiteres Mal die fremde Stimme zu hören, die erregt auf ihn einredete.
„Ich – nicht – verstehen“, versuchte es Luigi langsam und akzentuiert. Ihm war nicht klar, welche Sprache der Mann verwendete, vielleicht war es Englisch oder Französisch. Luigi beherrschte weder das eine noch das andere. Entnervt wiederholte er, dass er kein Wort verstünde und der Mann sich vermutlich verwählt habe, und ließ den Hörer auf die Gabel fallen.
Seine Hoffnung, der Mann habe begriffen, dass er bei ihm falsch war, erfüllte sich nicht. Nach weiteren Anrufen, die weder ihn noch den anderen weiterbrachten, überlegte Luigi, einfach den Hörer neben das Telefon zu legen, um endlich seine Ruhe zu haben.
Doch die Dringlichkeit und die Hartnäckigkeit des Fremden beunruhigten ihn. Es klang, als wäre es wirklich wichtig, was der Mann zu sagen hatte. Zu blöd, dass er, Luigi, nie eine andere Sprache gelernt hatte. Er nahm den Hörer wieder ab und rief nach kurzer Bedenkzeit die Polizei.
„Posten San Paolo“, meldete sich ein Beamter.
„Hier Luigi Spirelli“, sagte Luigi. „Seit fast einer Stunde werde ich von jemandem angerufen, den ich nicht verstehe. Der Mann kapiert das leider nicht und hört nicht auf, mich zu belästigen.“
„Was meinen Sie damit, Sie verstehen ihn nicht?“
„Ich meine, dass er nicht Italienisch spricht.“
„Was dann?“
„Keine Ahnung. Ich bin Schuhmacher, kein Dolmetscher. In Sprachen kenne ich mich nicht aus. Könnten Sie vielleicht jemanden herschicken, der mit dem Mann reden kann?“
Er hörte den Polizisten leise seufzen, doch dann versprach er Luigi, dass Kollegen bei ihm vorbeischauen würden.
Luigi legte auf, und weil er davon ausging, dass vorerst nicht mehr an Schlaf zu denken war, machte er sich einen starken Espresso.
Er hatte kaum den ersten Schluck getrunken, als das Telefon ankündigte, dass der Fremde erneut bei ihm Hilfe suchte, welcher Art auch immer. Mit der Tasse in der Hand eilte Luigi ins Wohnzimmer und nahm den Hörer ab. Erneut prasselten aufgeregte und unverständliche Satzfetzen auf ihn ein.
„Momento!“, rief Luigi. „Warten Sie. Gleich kommt jemand, der … Ach, was soll’s, Sie verstehen mich ja ohnehin nicht.“ Er ließ den Mann reden und hoffte, dass die Polizei sich beeilte.
Nach Minuten, die Luigi wie Stunden vorkamen, ertönte endlich ein anderer Klingelton – der der Haustür. Erleichtert legte er den Hörer neben den Apparat und eilte in den Flur.
Vor der Tür standen zwei Carabinieri. „Mammamia, das hat aber gedauert“, begrüßte Luigi die beiden erschöpft. „Kommen Sie, schnell!“
Sie folgten ihm in die Wohnung und ohne weitere Erklärungen drückte Luigi dem ihm näherstehenden Beamten, einem fülligen Mann mit kräftigem Schnauzbart, den Hörer in die Hand. „Hören Sie“, forderte er ihn auf.
„Hallo?“, sagte der Beamte. Dann lauschte er eine Weile mit angespannter Miene. Sein Kollege sah ihn abwartend an. „Was ist?“, fragte er.
„Ich höre auch andere Stimmen, Frauen und Kinder, wenn ich mich nicht irre“, antwortete der Schnauzbart. „Und Wind, ich glaube, auch Wasser. Hello?“, rief er in den Hörer. „Where are you?“
Erneut schwieg er, hörte nur zu und nickte. „From Sudan?“, fragte er. „Okay, I understand. Help is coming. I write down your number and make a call.“
Er machte in Luigis Richtung eine Geste, die anzeigte, dass er etwas zum Schreiben brauchte. Luigi holte rasch einen kleinen Block und einen Kugelschreiber aus der Schublade unter dem Telefon und reichte ihm beides. Der Schnauzbart nickte ihm ebenso knapp wie dankbar zu.
„Okay, I got your number. Stay calm, everything is gonna be fine. Bye.“
Luigi und der andere Polizist warteten gebannt, bis der Schnauzbart aufgelegt hatte und sich ihnen zuwandte. „Der Mann, der anrief, stammt aus Afrika, aus dem Sudan“, berichtete er. „Er sitzt mit vielen anderen in einem Flüchtlingsboot zwischen Libyen und Sizilien, und sagte was von Seenot. Da seien auch noch weitere Boote, sagte er, fünf oder sechs. Er wollte die Küstenwache sprechen, und hat aus Versehen Ihre Nummer gewählt, Signor Spirelli.“
„Ach herrje“, murmelte Luigi. „Und was geschieht jetzt?“
„Darf ich noch einmal Ihren Apparat benutzen? Dann könnte ich sofort das Zentralkommando der Küstenwache in Rom anrufen. Die werten die Koordinaten des Mobiltelefons aus und können den Anrufer auf die Weise orten.“
„Ja, ja, natürlich“, sagte Luigi mit einer auffordernden Handbewegung.
Fünf Minuten später verabschiedeten sich die beiden Polizisten. „Hilfsboote werden losgeschickt, um die Menschen in Sicherheit zu bringen“, sagte der Schnauzbart noch.
„Halten Sie mich bitte auf dem Laufenden“, meinte Luigi und schloss die Tür. Zum Schlafen war er nun viel zu aufgewühlt, und das lag weiß Gott nicht an dem Espresso. Im Gegenteil, er beschloss, sich einen weiteren aufzubrühen.
Zwei Stunden später klingelte wieder sein Telefon. Diesmal war es an Luigi, aufgeregt zu sein. Er sprintete, soweit seine alten Knochen ihn ließen, zum Apparat und meldete sich. „Si? Luigi Spirelli hier.“
„Hier ist Petrillo“, sagte die Stimme des Schnauzbarts. „Die Menschen sind in Sicherheit. Ich habe mit dem Mann gesprochen, der Sie angerufen hat, er lässt sie grüßen und dankt Ihnen. Er sagte: ‚Zum Glück habe ich mich verwählt.‘ Denn wenn Sie, Signor Spirelli, uns nicht angerufen hätten, wäre die Sache vermutlich sehr dramatisch zu Ende gegangen.“
„Danke für Ihren Anruf“, sagte Luigi und legte langsam auf.
Er fühlte sich berührt von dem Schicksal dieser Menschen, war froh, dass er hatte helfen können, und hoffte von Herzen, dass all diese Männer, Frauen und Kinder bald eine neue, sichere Heimat finden würden.


Der Kriminalschriftsteller ist eine Spinne, die die Fliege bereits hat, bevor sie das Netz um sie herum webt.
(Sir Arthur Conan Doyle)

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#2

RE: Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 10.08.2023 11:17
von Sabrina Meinen • Federlibelle | 546 Beiträge | 1592 Punkte

@Bree: Oh mein Gott ist diese Geschichte herzlich. Ich habe richtig Tränen in meinen Augen - liegt bestimmt auch an den Hormonen fürs Stillen und so.

Ich würde den Titel auf Italienisch schreiben so etwas wie: Non comprende (= Ich verstehe sie nicht).
Mein Italienisch ist nicht das Beste. Ich konnte aber jemanden fragen, die Italienerin ist, sie könnte korrekt übersetzen.
Ein fremdsprachigen Titel hebt sich auf jeden Fall ab und macht hoffentlich neugierig. Zu mal comprendre manche Menschen übersetzen können, weil es doch mal in einem Film gesagt wird und im Französischen ähnlich klingt, ich glaube Spanisch auch. Auf jeden Fall erwischt du Sprachaffine Leser, die wissen wollen was in deiner Geschichte passiert.


Finde den Mut für die Veränderung, die du dir wünscht,
die Kraft, es durchzuziehen
und den Glauben daran, dass sich alles zum Besten wenden wird.
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zuletzt bearbeitet 10.08.2023 11:17 | nach oben springen

#3

RE: Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 10.08.2023 11:23
von Doro • Federlibelle | 2.270 Beiträge | 8898 Punkte

Liebe @Bree ,


du hast recht, die Themenvorgabe impliziert, dass es ein Happy End gibt. Wobei "Happy End" ja für jeden etwas anderes bedeuten kann.

Mir gefällt deine Geschichte, Anmerkungen sind im Text.

Ich hab mal ein bisschen geerbst:

Zitat von Bree im Beitrag #1
DIE WAHRE GESCHICHTE EINES RENTNERS AUS ROM (Alternativvorschlag: Morgens um sechs in Rom ...)

Luigi Spirelli blinzelte, als das laute und durchdringende Klingeln des Telefons ihn weckte. Sein erster Blick ging zum Fenster. Draußen war es noch dunkel. Sein Radiowecker sagte ihm, dass es nicht einmal sechs Uhr war. Luigi runzelte unwillig die Stirn. Wer hatte denn (Füllwort, würde ich streichen) die Frechheit, ihn um diese Zeit anzurufen? Um es herauszufinden, würde er wohl ans Telefon gehen müssen, denn das Klingeln ließ nicht nach. Der Anrufer hatte für diese frühe Tageszeit eine erstaunliche Ausdauer.
Luigi warf die Decke zur Seite, setzte sich mit leisem Stöhnen auf und schob die Füße in seine vor dem Bett bereitstehenden (nur "stehenden" würde auch reichen) Hausschuhe. Dann schlurfte er ins Wohnzimmer, schaltete das Licht ein und nahm den Anruf entgegen. „Ja (Oder "Pronto?")?“, brummte er.
Ein lautes Rauschen war zu vernehmen, und eine aufgeregte Stimme rief etwas, doch Luigi verstand kein Wort.
„Wie bitte? Ich verstehe Sie nicht“, sagte er. (kann man weglassen) Auch aus den nächsten rasch vorgebrachten Sätzen des Anrufers konnte er nichts deuten. Der Mann sprach kein Italienisch, soviel war klar.
„Tut mir leid, Sie müssen sich verwählt haben“, sagte Luigi und legte auf. Er würde ins Bett zurückgehen und noch ein wenig schlafen. Schließlich war er Rentner und musste nicht mehr in aller Frühe aufstehen.
Er war kaum im Schlafzimmer angekommen, als das Telefon sich erneut meldete. „Das darf doch nicht wahr sein!“, stöhnte Luigi und drehte sich um ( ... und kehrte zurück ins Wohnzimmer. - Es sei denn, er hat das Telefon mitgenommen). Am anderen Ende des Drahtes ("Am anderen Ende der Leitung" würde mir besser gefallen.) war ein weiteres Mal die fremde Stimme zu hören, die erregt auf ihn einredete.
„Ich – nicht – verstehen“, versuchte es Luigi langsam und akzentuiert. Ihm war nicht klar, welche Sprache der Mann verwendete, vielleicht war es Englisch oder Französisch. Luigi beherrschte weder das eine noch das andere. Entnervt wiederholte er, dass er kein Wort verstünde und der Mann sich vermutlich verwählt habe, und ließ den Hörer auf die Gabel fallen.
Seine Hoffnung, der Mann habe begriffen, dass er bei ihm falsch war, erfüllte sich nicht. Nach weiteren Anrufen, die weder ihn noch den anderen weiterbrachten, überlegte Luigi, einfach den Hörer neben das Telefon zu legen, um endlich seine Ruhe zu haben.
Doch die Dringlichkeit und die Hartnäckigkeit des Fremden beunruhigten ihn. Es klang, als wäre es wirklich wichtig, was der Mann zu sagen hatte. Zu blöd, dass er, Luigi, nie eine andere Sprache gelernt hatte. Er nahm den Hörer wieder ab und rief nach kurzer Bedenkzeit die Polizei.
„Posten San Paolo“, meldete sich ein Beamter.
„Hier Luigi Spirelli“, sagte Luigi. „Seit fast einer Stunde werde ich von jemandem angerufen, den ich nicht verstehe. Der Mann kapiert das leider nicht und hört nicht auf, mich zu belästigen.“
„Was meinen Sie damit, Sie verstehen ihn nicht?“
„Ich meine, dass er nicht Italienisch spricht.“
„Was dann?“
„Keine Ahnung. Ich bin Schuhmacher, kein Dolmetscher. In Sprachen kenne ich mich nicht aus. Könnten Sie vielleicht jemanden herschicken, der mit dem Mann reden kann?“
Er hörte den Polizisten leise seufzen, doch dann versprach er Luigi, dass Kollegen bei ihm vorbeischauen würden.
Luigi legte auf, und weil er davon ausging, dass vorerst nicht mehr an Schlaf zu denken war, machte er sich einen starken Espresso.
Er hatte kaum den ersten Schluck getrunken, als das Telefon ankündigte, dass der Fremde erneut bei ihm Hilfe suchte, welcher Art auch immer. Mit der Tasse in der Hand eilte Luigi ins Wohnzimmer und nahm den Hörer ab. Erneut prasselten aufgeregte und unverständliche Satzfetzen auf ihn ein.
„Momento!“, rief Luigi. „Warten Sie. Gleich kommt jemand, der … Ach, was soll’s, Sie verstehen mich ja ohnehin nicht.“ Er ließ den Mann reden und hoffte, dass die Polizei sich beeilte.
Nach Minuten, die Luigi wie Stunden vorkamen, ertönte endlich ein anderer Klingelton – der der Haustür. Erleichtert legte er den Hörer neben den Apparat und eilte in den Flur.
Vor der Tür standen zwei Carabinieri. „Mammamia (Mamma mia), das hat aber gedauert“, begrüßte Luigi die beiden erschöpft. „Kommen Sie, schnell!“
Sie folgten ihm in die Wohnung und ohne weitere Erklärungen drückte Luigi dem ihm näherstehenden Beamten, einem fülligen Mann mit kräftigem Schnauzbart, den Hörer in die Hand. „Hören Sie“, forderte er ihn auf.
„Hallo?“, sagte der Beamte. Dann lauschte er eine Weile mit angespannter Miene. Sein Kollege sah ihn abwartend an. „Was ist?“, fragte er.
„Ich höre auch andere Stimmen, Frauen und Kinder, wenn ich mich nicht irre“, antwortete der Schnauzbart. „Und Wind, ich glaube, auch Wasser. Hello?“, rief er in den Hörer. „Where are you?“
Erneut schwieg er, hörte nur zu und nickte. „From Sudan?“, fragte er. „Okay, I understand. Help is coming. I write down your number and make a call.“
Er machte in Luigis Richtung eine Geste, die anzeigte, dass er etwas zum Schreiben brauchte. Luigi holte rasch einen kleinen Block und einen Kugelschreiber aus der Schublade unter dem Telefon und reichte ihm beides. Der Schnauzbart nickte ihm ebenso knapp wie dankbar zu.
„Okay, I got your number. Stay calm, everything is gonna be fine. Bye.“
Luigi und der andere Polizist warteten gebannt, bis der Schnauzbart aufgelegt hatte und sich ihnen zuwandte. „Der Mann, der anrief (In Süddeutschland würde niemand (Es seid denn, ein Deutschlehrer.) im Dialog "anrief" sagen, sondern "der angerufen hat" Das müsste man dann konsequent weiterführen, also alle Verben in der 1. Vergangenheit in die 2. setzen.), stammt aus Afrika, aus dem Sudan“, berichtete er. „Er sitzt mit vielen anderen in einem Flüchtlingsboot zwischen Libyen und Sizilien, und sagte was von Seenot. Da seien auch noch weitere Boote, sagte er, fünf oder sechs. Er wollte die Küstenwache sprechen, und hat aus Versehen Ihre Nummer gewählt, Signor Spirelli.“
„Ach herrje“, murmelte Luigi. „Und was geschieht jetzt?“
„Darf ich noch einmal Ihren Apparat benutzen? Dann könnte ich sofort das Zentralkommando der Küstenwache in Rom anrufen. Die werten die Koordinaten des Mobiltelefons aus und können den Anrufer auf die (diese) Weise orten.“
„Ja, ja, natürlich“, sagte Luigi mit einer auffordernden Handbewegung.
Fünf Minuten später verabschiedeten sich die beiden Polizisten. „Hilfsboote werden losgeschickt, um die Menschen in Sicherheit zu bringen“, sagte der Schnauzbart noch.
„Halten Sie mich bitte auf dem Laufenden“, meinte Luigi und schloss die Tür. Zum Schlafen war er nun viel zu aufgewühlt, und das lag weiß Gott nicht an dem Espresso. Im Gegenteil, er beschloss, sich einen weiteren aufzubrühen.
Zwei Stunden später klingelte wieder sein Telefon. Diesmal war es an Luigi, aufgeregt zu sein. Er sprintete, soweit seine alten Knochen ihn ließen, zum Apparat und meldete sich. „Si? Luigi Spirelli hier.“
„Hier ist Petrillo“, sagte die Stimme des Schnauzbarts. „Die Menschen sind in Sicherheit. Ich habe mit dem Mann gesprochen, der Sie angerufen hat, er lässt sie grüßen und dankt Ihnen. Er sagte: ‚Zum Glück habe ich mich verwählt.‘ Denn wenn Sie, Signor Spirelli, uns nicht angerufen hätten, wäre die Sache vermutlich sehr dramatisch zu Ende gegangen.“
„Danke für Ihren Anruf“, sagte Luigi und legte langsam auf.
Er fühlte sich berührt von dem Schicksal dieser Menschen, war froh, dass er hatte helfen können, und hoffte von Herzen, dass all diese Männer, Frauen und Kinder bald eine neue, sichere Heimat finden würden.


Liebe Grüße
Doro


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#4

RE: Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 10.08.2023 12:49
von Bree • Federlibelle | 4.190 Beiträge | 16683 Punkte

Liebe @Sabrina Meinen und liebe @Doro

danke für eure hilfreichen Kommentare. Doro, deine Hinweise habe ich umgesetzt, vielen Dank!
Über einen italienischen Titel denke ich mal nach, danke, Sabrina!

LG
Bree


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(Sir Arthur Conan Doyle)

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#5

RE: Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 11.08.2023 08:40
von Carlotta Lila • Federlibelle | 2.101 Beiträge | 9188 Punkte

Liebe @Bree, interessante Vorgabe und super mit einem aktuellen Thema gelöst!
Im Prinzip ist die Geschichte bereits auf jeden Fall verwendbar. Was ich eventuell anzumerken hätte: das die Polizei schon in wenigen Minuten kommt, finde ich wirklich toll! Bei mir in Wien in meinem Bezirk würde es nach meiner Erfahrung mindestens eine Stunde dauern, obwohl die Polizei ganz Nähe ist(-:
Ich vermute, dass Luigi nur ein Festnetz hat. Da er Rentner ist, ist das vielleicht nachvollziehbar. Ich habe tatsächlich aber nur eine einzige ältere Freundin, die noch Festnetz, aber kein Handy hat. Ich kenne sonst niemanden mehr ohne Handy. Würde die Geschichte nicht ein wenig anders ablaufen, wenn Luigi den Anruf auf seinem Handy bekommen hätte? Dann hätte er der Polizei nämlich entweder die Nummer durchgegeben oder hätte selber bei der Wache vorbei geschaut. Damit würde die Story auch funktionieren.
Das Ende ist ok, Luigi hat helfen können und kann damit zufrieden sein. Da es ja aber immer schön ist, wenn die Geschichte den Helden ein wenig verändert und sich entwickelt lässt, könntest du aus dem Ende mehr rausholen: Es muss nicht unbedingt sein, dass Luigi den Mann treffen will, der ihn angerufen hat, aber vielleicht will er jetzt Englisch lernen, um sich so mehr für Flüchtlinge zu engagieren, was in der Art ....
Vielleicht auch in der Story nochmal sämtliche Spannungsmomente durchgehen und das Maximum rausholen! Ich hoffe, die Kommentare sind hilfreich(-:
Liebe Grüße
Carlotta Lila (vom Handy)
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zuletzt bearbeitet 11.08.2023 09:34 | nach oben springen

#6

RE: Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 11.08.2023 09:20
von Bree • Federlibelle | 4.190 Beiträge | 16683 Punkte

Liebe @Carlotta Lila

vielen Dank für dein kritisches Feedback. Ich habe die Story in etwa so wiedergegeben, wie sie offenbar geschehen ist.
In meiner Überarbeitung wird auf das Telefon genauer eingegangen. Der Mann wollte ja die Küstenwache erreichen, und die ist sicherlich nicht über Handy erreichbar, also werde ich das nicht näher erläutern. Aber dein Hinweis mit der persönlichen Entwicklung ist super! Das mit dem Englisch lernen werde ich noch einbauen, das gefällt mir sehr, vielen Dank!

LG
Bree


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#7

RE: Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 11.08.2023 09:32
von Carlotta Lila • Federlibelle | 2.101 Beiträge | 9188 Punkte

Liebe @Bree, ok, ich verstehe, der Mann hat eine Festnetznummer angerufen, weil die Küstenwache nur Festnetz hat! Ich denke auch nurmehr in Handydimensionen (-:
Lg
C Lila xxx


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#8

RE: Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 11.08.2023 16:45
von Gini • Federlibelle | 1.765 Beiträge | 3609 Punkte

@Bree ich kenne noch viele Menschen, die einen Festnetzanschluss haben. Ich finde auch die Idee von Carlotta super,
Dass der Rentner sich entschließt jetzt Englisch zu lernen. In Italien gibt es bestimmt auch so etwas wie eine
Volkshochschule. Titel ist schwierig. Aber Non comprende finde ich auch gut. Oder der Rentner und das Meer. Der Anruf kommt doch vom Meer, oder?


Gedanken sind nicht stets parat,/ Man schreibt auch, wenn man keine hat.

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#9

RE: Eine wahre Geschichte - für meine Teerunde aufgearbeitet

in Aktuelles / Politisches / Alles zum Thema FRIEDEN 12.08.2023 22:08
von Doro • Federlibelle | 2.270 Beiträge | 8898 Punkte

Zitat von Carlotta Lila im Beitrag #5
Ich kenne sonst niemanden mehr ohne Handy.
Liebe @Carlotta Lila ,

mein Vater hatte zwar ein Handy, aber meistens war es ausgeschaltet. Daheim hat er nur mit dem Festnetzanschluss telefoniert. (Immerhin kabellos in den letzten Jahren.)

Und auch, wenn ich mit seiner Lebensgefährtin telefoniere, dann über das Festnetz.

Wenn ich von daheim aus telefoniere, also, wenn ich jemanden anrufe, dann auch meistens übers Festnetztelefon.


LG
Doro


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