#1

Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 09.06.2025 17:40
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Als Tobias die Pathologie betrat, bot sich ihm ein ungewohnter Anblick. Seine beiden Kolleginnen beugten sich über die Morgenzeitung, die sie über einem der Metalltische ausgebreitet hatten, und Sina las aus einem Artikel vor. Selbst der bereits in Arbeitskittel und Gummischürze gekleidete Chefpathologe hörte mit gerunzelter Stirn zu, statt die beiden Frauen wie üblich an ihre Arbeitsplätze zu scheuchen.
Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen geistesgestörten Täter handelt“, las Sina vor. „Die männliche Leiche war nachts am Straßenrand entdeckt worden. Der Tote wurde als Wolf Niemann identifiziert, 32 Jahre alt. Offenbar hatte sich das Opfer auf dem Nachhauseweg von einer angesagten Gay-Bar befunden. Der Tote wurde in die Pathologie des Städtischen Krankenhauses eingeliefert.“
Tobias trat näher an den Tisch heran.
In der Nacht verschaffte sich jemand Einlass in die Pathologie und wütete furchtbar. Der Leiche fehlen Teile des Gesichts und die Ohren. Außerdem hat der Täter die Geschlechtsteile entfernt. Die Obduktion des Toten ergab zunächst Herzversagen. Laborergebnisse stehen noch aus.“
Dann wird man wohl Aconitin finden“, dachte Tobias, innerlich schmunzelnd. Äußerlich zuckte kein Muskel in seinem Gesicht. „Blauer Eisenhut ist äußerst wirkungsvoll.“
Es war eine gute Idee gewesen, sich in der Gay-Bar nach einem passenden Exemplar umzusehen, fand er. Dunkelhaarig und sehr männlich musste es sein. „Der Typ war absolut perfekt“, dachte Tobias. "Er hatte alles, was ich für mein Herzensprojekt brauche. Zum Glück stand er auf Semmelblond. Und auf Magenbitter. So war es ein Leichtes, ihm das Gift ins Getränk zu mischen. Der Geschmack vom Eisenhut ist ihm überhaupt nicht aufgefallen."
„Die Öffentlichkeit wird um Mitarbeit gebeten“, las Sina weiter. "Wer hat diesen Mann am Abend des 15. Juli im „Okkuloco“ gesehen? War er alleine? Hat er mit jemandem gesprochen?"
Sie zeigte auf das Foto des Opfers.

Oh Gott, mir wird schlecht bei dem Gedanken“, sagte Irene. „Wer macht denn sowas?“
Tobi kicherte innerlich. „Das möchtest du lieber nicht wissen“, dachte er. „Obwohl, für dich besteht keine Gefahr. Frauen interessieren mich nicht.“
Na, sie haben es doch gehört, Sina“, schnarrte der Pathologe. „Ein Irrer! Und jetzt los, los, an die Arbeit!“ Er rückte seine Haube zurecht und stiefelte in seinen Arbeitsraum.
Tobias verabscheute diesen cholerischen Bully, aber seinen Job zu kündigen, war keine Option. Als Pathologie-Assistent hatte er Zugang zu allen Chemikalien und Materialien für sein Projekt zu Hause, die er sonst teuer über das Darknet beschaffen müsste.
Den ganzen Tag über war Tobias total schweigsam. Die Tat eines Irren? Wie kommen die darauf? Ich bin doch kein Irrer“, dachte er.
Alles war nach Plan gelaufen. Bei den ersten Vergiftungssymptomen hatte er vorgeschlagen, frische Luft zu schnappen. Draußen ging alles schneller als erwartet. Erst wurde dem Mann übel und kurz darauf bekam er keine Luft mehr. Tobias hatte so getan, als würde er den Notarzt rufen und neben dem Sterbenden gewartet, bis die Atemlähmung komplett war. Dann hatte er vom Handy des Toten die 112 angerufen, sich in seinen Wagen gesetzt und gewartet. Als der Krankenwagen mit der Leiche abfuhr, brauchte er ihm nur zu folgen, um zu sehen, wo sie ihn hinbrachten.
„Alles andere war ein Klacks“, dachte er. „Perfekt. Niemand wird mich je wieder Schniedelwutz nennen.“

Auf der Fahrt nach Hause erinnerte er sich wie so oft an den Moment, der von einer Sekunde zur anderen seine Kindheit und sein Selbstvertrauen zerstört hatte. Er war als Zehnjähriger im Kreise seiner Freunde aus dem Schulgebäude gestürmt, lachend, scherzend, unbeschwert. Am Schultor stand seine Mutter und winkte ihm zu.

„Schniedelwutz!“, hatte sie gerufen. „Wir fahren aufs Land! Komm, beeil dich, mein Schniedel!“
Schniedelwutz?“ Seine Schulkameraden waren stehen geblieben. Ungläubig sahen sie in die Runde. Schniedel?“ Dann brachen sie in wieherndes Gelächter aus. Sie stießen einander in die Seite und wollten gar nicht mehr aufhören.
Tobias spürte wieder, wie sich heiße Tränen in seinen Augenwinkeln sammelten. Er hatte sie zurückgezwungen. Nur Memmen heulen. Doch er würde diesen Moment niemals vergessen. Es war der Moment, in dem er begann, seine Mutter abgrundtief zu hassen, aus tiefster Seele und für immer.
Der Spitzname „Schniedelwutz“ oder „Wutzi“ hatte ihn während seiner gesamten Schulzeit verfolgt. Es gab die wildesten Gerüchte, die rund um diesen Spitznamen kursierten. Sie neckten ihn damit, sie mobbten ihn, und er konnte sich nicht wehren. Was hätte er auch tun können? Er war der kleinste Junge in der Klasse, blond, blass, dünn, mit schmalen Schultern, niemand kam ihm zu Hilfe. Seine Mutter hatte ihm von klein auf klargemacht, dass er niemals ein richtiger Mann sein würde. Dafür hätte er aussehen müssen wie ein Südländer, dunkel, muskulös, durchtrainiert, mit dominantem Auftreten. Einer wie er würde nie eine Frau beeindrucken.
„„Bleib einfach für immer bei mir“, hatte sie gesagt, „Lass mich niemals alleine. Nicht so wie dein Vater, dieser untreue Gockel.“
„Nein. So nicht“, dachte er. „Eher wie Schniedelwutz, der Haussklave.“
Tobias strich sich über die Stirn, als könne er die Erinnerung einfach wegwischen. Aber sie hatte sich für immer in sein Gedächtnis eingebrannt.

Zu Hause stellte er die Tasche mit den abgezweigten Laborutensilien ab und öffnete leise die Tür zum Zimmer seiner Mutter.

Wie immer schlug ihm eine unangenehme Geruchsmischung aus Krankenzimmer, abgestandener Luft, Essensresten und ihrem aufdringlichen Parfüm entgegen. Angeekelt öffnete er das Fenster zum Garten. Sie schien fest zu schlafen und schnarchte leise. Halbsitzend, mit schief gelegtem Kopf und geschlossenen Augen lehnte sie in den Kissen. Ihre arthritisch verkrümmten, geschwollenen Hände lagen auf der Bettdecke. Wie Raubtierkrallen wirkten sie mit den rot lackierten Nägeln. Ihre grauen, sorgfältig ondulierten Löckchen zitterten in der leichten Brise, die durchs Fenster hereinwehte. Trotz der späten Stunde trug sie Make-up, einen Lidstrich und einen auffallend roten Lippenstift. Die kräftigen Farben wirkten grotesk auf der welken Haut.
Leise, um sie nicht zu wecken, schlich er hinaus und die Wendeltreppe hinauf.
Endlich! Tobias schlüpfte in den weißen Schutzanzug aus dem Labor, zog Handschuhe, Atemmaske und Schutzbrille über und stellte sein Arbeitsmaterial auf dem langen Arbeitstisch bereit. Vorsichtshalber öffnete er alle Fenster. Wenn er mit Formaldehyd arbeitete, musste der Raum gut belüftet sein. Die Dämpfe der Chemikalie hatten es in sich.
Er holte seine sorgfältig gereinigten Trophäen aus dem Kühlschrank und reihte sie vor sich auf dem Tisch auf. Daneben legte er die Silikonbeutel und eine Spritze, in die er bereits etwas von dem Formaldehyd aufgezogen hatte.
Er begann mit den Ohren, die hatten es ihm besonders angetan. Groß und fleischig waren sie. Seine eigenen waren klein und fein geformt. Mädchenohren, sagte seine Mutter.
Tobias legte ein Ohr in einen der kleinen Beutel, spritzte soviel Formaldehyd hinein, dass es vollständig von der Chemikalie bedeckt war und verschloss ihn luftdicht. Mit dem zweiten Ohr verfuhr er ebenso. Jedes Teil, Lippen, Nase und Augenbrauen, landete in einem eigenen, kleinen Beutel. Zum Schluss wendete er sich seinem Paradestück zu. Er hatte sich große Mühe gegeben beim Abtrennen der Männlichkeit seines Opfers, nun bemühte er sich, sie so authentisch wie möglich zu konservieren.
Und jetzt das große Finale!“, rief er begeistert und holte den fleischfarbenen Anzug aus dem Schrank. Wochenlang hatte er daran gearbeitet. Das Material war elastisch genug, um sich seinen Körperformen anzupassen, ohne Falten zu werfen. Der Anzug hatte einen durchgehenden Reißverschluss bis hinunter zum Schritt und im Kopfteil eine abnehmbare Gesichtsmaske mit Löchern für die Augen. Sorgfältig klebte Tobias die kleinen Beutel mit den Präparaten auf die Maske.
Dann begann er, den Beutel mit seinem Paradestück so in der entsprechend eingearbeiteten Ausbuchtung im Schritt zu fixieren, dass sich die Konturen in dem dehnbaren Material perfekt abhoben.

Zeit für die Anprobe!“
Vorsichtig stieg Tobias in den Anzug. Im Schritt zog er den Beutel in die richtige Form, dann schlüpfte er mit den Armen in den oberen Bereich und zog die Haube über den Kopf. Er hatte sich absichtlich gegen Haare entschieden. Ein Mann mit Glatze schien in der heutigen Gesellschaft männlicher zu wirken als einer mit Haaren.
Er schloss den Reißverschluss und befestigte die Gesichtsmaske. Das dünne, elastische Material umschmeichelte seinen Körper. Im Haus war es still, so still, dass er das Blut in seinem Inneren pulsieren spürte.
Andächtig betrachtete er sein Spiegelbild im Ankleidespiegel.

Tobi!“
Wie durch Watte hörte er seinen Namen. Er drehte sich vor dem Spiegel nach links und rechts, strich über die vollen Lippen und bewunderte die männlichen, schwarzen Augenbrauen.
Tooobiiii!“
Die Stimme seiner Mutter wurde fordernder.
Schniedelwutz!“
Tobias zuckte zusammen. Ohne nachzudenken, rannte er zur Tür hinaus und die Wendeltreppe hinunter. Wutentbrannt riss er die Tür zum Zimmer seiner Mutter auf.
Erschrocken fuhr sie hoch. Als er in seinem Anzug auf das Bett zustürmte, lag Entsetzen in ihrem Blick. Doch dann brach sie in hysterisches Gelächter aus.
„Schniedelwutz“, rief sie lachend. „Du bist ja vollkommen irre!“
Tobias hörte sein Blut in den Ohren rauschen, heiß raste es durch seine Adern. Er zitterte. Ein Laut wie von einem zornigen Raubtier entfuhr seiner Kehle. Vollkommen außer sich ergriff er ein Obstmesser, das auf dem Nachtisch lag, und stürzte sich auf sie.

Hoch aufgerichtet und blutverschmiert stand Tobias danach über ihr wie ein Racheengel. Wie oft er zugestochen hatte, konnte er später nicht mehr sagen. Der süßliche Geruch des Blutes begann, alles andere zu überlagern.
Ich bin kein Schniedelwutz“, sagte er mit fester Stimme. „Ich bin ein Mann. Ein richtiger Mann.“

Er fühlte sich frei. Zum ersten Mal in seinem Leben.


„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
Aristoteles

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zuletzt bearbeitet 10.06.2025 07:17 | nach oben springen

#2

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 10.06.2025 10:51
von Bree • Federlibelle | 6.317 Beiträge | 28187 Punkte

Liebe @Sturmruhe

was für eine gruselige Story! Auch wenn Tobi denkt, er ist nicht irre, er ist schon ziemlich durchgeknallt. Allerdings ist die Vorstellung, dass eine Mutter ihren Sohn öffentlich "Schniedelwutz" nennt, auch ganz schön heftig. Ihr muss doch klar sein, was ihr Sohn danach aushalten muss.
Bewundernswert die Kenntnisse über Pathologie, die du dir angelesen haben musst. Respekt! Das kommt alles professionell und realistisch rüber.
Ein echter Gänsehaut-Text.
Das Einzige, was ich bemängeln muss, ist die Tatsache, dass das in der Aufgabe formulierte Geständnis fehlt. Wir Leser wissen, was der Hintergrund seiner Taten ist, aber sonst niemand.
Davon abgesehen eine runde, etwas verstörende aber gut geschriebene Story! Viel Glück beim Wettbewerb!

LG
Bree


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Geschichten zu schreiben ist für mich ein Weg, in andere Leben, andere Zeiten, andere Orte abzutauchen. Nebenbei kann man Persönlichkeiten erschaffen und ihr Schicksal lenken. Ich kann mir kein schöneres Hobby vorstellen!


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#3

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 10.06.2025 11:09
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Liebe @Bree,

Zitat
was für eine gruselige Story! Auch wenn Tobi denkt, er ist nicht irre, er ist schon ziemlich durchgeknallt. Allerdings ist die Vorstellung, dass eine Mutter ihren Sohn öffentlich "Schniedelwutz" nennt, auch ganz schön heftig. Ihr muss doch klar sein, was ihr Sohn danach aushalten muss.Bewundernswert die Kenntnisse über Pathologie, die du dir angelesen haben musst. Respekt! Das kommt alles professionell und realistisch rüber.
Ein echter Gänsehaut-Text.


Vielen Dank! Ich wollte beleuchten, was in der Seele eines jungen Menschen passieren kann, wenn ein Elternteil oder ein anderer Erziehungsberechtigter, Lehrer oder was auch immer ihn seelisch missbraucht und so lange erniedrigt und an sich bindet, bis er seelisch und geistig zerbricht und sich entsprechend krankhaft entwickelt.

Zitat
Das Einzige, was ich bemängeln muss, ist die Tatsache, dass das in der Aufgabe formulierte Geständnis fehlt. Wir Leser wissen, was der Hintergrund seiner Taten ist, aber sonst niemand.


Ist der Text trotz des fehlenden Geständnisses akzeptiert? Wenn ich Zeit habe, versuche ich noch, eine Art Geständnis darin unterzubringen, aber das wird innerhalb der voll ausgereizten Zeichenzahl nicht so einfach sein. Die ursprüngliche Story umfasste 40.000 Zeichen, eine Kurzgeschichte, die ich für einen Kunden geschrieben, aber am Ende nicht abgegeben habe. Daraus stammt die Idee für diese Geschichte und es war schwierig, nur das wirklich Wesentliche an Information im neuen Text unterzubringen. Für einen Geständnisteil müsste ich noch mehr an Information streichen. Schauen wir mal ...

Zitat
Davon abgesehen eine runde, etwas verstörende aber gut geschriebene Story! Viel Glück beim Wettbewerb!


Vielen Dank fürs Lesen und dein Feedback!

Liebe Grüße
Marion


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#4

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 10.06.2025 11:43
von Bree • Federlibelle | 6.317 Beiträge | 28187 Punkte

Liebe @Sturmruhe

mein Wunsch

Zitat von Sturmruhe im Beitrag #3
Viel Glück beim Wettbewerb!

kam mit der Intention, dir deutlich zu machen, dass ich deinen Text zulasse. Du müsstest eigentlich nichts einfügen, um ihn regelkonform zu ändern, sondern ihn vollkommen umschreiben. Und das ist in meinen Augen zu viel verlangt.

LG
Bree


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#5

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 10.06.2025 12:19
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

@Bree


Zitat

mein WunschZitat von Sturmruhe im Beitrag #3Viel Glück beim Wettbewerb!

kam mit der Intention, dir deutlich zu machen, dass ich deinen Text zulasse. Du müsstest eigentlich nichts einfügen, um ihn regelkonform zu ändern, sondern ihn vollkommen umschreiben. Und das ist in meinen Augen zu viel verlangt.

Vielen Dank! Meine Idee war gewesen, dass wir, die Leser, diejenigen sind, denen er seine Tat, auf die er sehr stolz ist, sozusagen "beichtet", deshalb die gedanklichen Einwürfe im Laufe der Geschichte.

Aber ich habe, bevor ich deinen Kommentar las, eine Art schriftliches Geständnis eingefügt, und den Text gekürzt, ohne ihn komplett umzuschreiben. Ich stelle ihn einfach mal hier ein und markiere die Zusätze. im Verlauf der Story. Dann kannst du ja sagen, welchen ich nehmen soll - wir wollen ja fair bleiben.

Hier kommt die Version mit "Geständnis":

Das Blaue ist neu.

Als Tobias die Pathologie betrat, bot sich ihm ein ungewohnter Anblick. Seine beiden Kolleginnen beugten sich über die Morgenzeitung, die über einem der Metalltische ausgebreitet war. Sina las aus einem Artikel vor. Selbst der bereits in Arbeitskittel und Gummischürze gekleidete Chefpathologe hörte zu, statt die Frauen wie üblich an ihre Arbeitsplätze zu scheuchen.
„Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen geistesgestörten Täter handelt“, las Sina vor. „Die männliche Leiche war nachts am Straßenrand entdeckt worden. Der Tote wurde als Wolf Niemann identifiziert, 32 Jahre alt. Offenbar hatte sich das Opfer auf dem Nachhauseweg von einer angesagten Gay-Bar befunden. Der Tote wurde in die Pathologie des Städtischen Krankenhauses eingeliefert.“
Tobias trat näher an den Tisch heran.
„In der Nacht verschaffte sich jemand Einlass in die Pathologie und wütete furchtbar. Der Leiche fehlen Teile des Gesichts und die Ohren. Außerdem hat der Täter die Geschlechtsteile entfernt. Die Obduktion ergab zunächst Herzversagen. Laborergebnisse stehen noch aus.“
Dann wird man wohl Aconitin finden“, dachte Tobias, innerlich schmunzelnd. Äußerlich zuckte kein Muskel in seinem Gesicht. „Blauer Eisenhut ist äußerst wirkungsvoll.“
Es war eine gute Idee gewesen, sich in der Gay-Bar nach einem passenden Exemplar umzusehen, fand er. Dunkelhaarig und sehr männlich musste es sein. „Der Typ war absolut perfekt“, dachte Tobias. "Er hatte alles, was ich für mein Projekt brauche. Zum Glück stand er auf Semmelblond. Und auf Magenbitter. So war es ein Leichtes, ihm das Gift ins Getränk zu mischen. Der Geschmack vom Eisenhut ist ihm nicht aufgefallen."
„Die Öffentlichkeit wird um Mitarbeit gebeten“, las Sina weiter. "Wer hat diesen Mann am Abend des 15. Juli im „Okkuloco“ gesehen? War er alleine?“
„Oh Gott, mir wird schlecht“, sagte Irene. „Wer macht denn sowas?“
Tobi kicherte innerlich. „Das möchtest du lieber nicht wissen“, dachte er. „Obwohl, für dich besteht keine Gefahr. Frauen interessieren mich nicht.“
„Na, sie haben es doch gehört, Sina“, schnarrte der Pathologe. „Ein Irrer! Und jetzt los, los, an die Arbeit!“ Er rückte seine Haube zurecht und stiefelte in seinen Arbeitsraum.
Tobias verabscheute diesen cholerischen Bully, aber seinen Job zu kündigen, war keine Option. Als Pathologie-Assistent hatte er Zugang zu allen Chemikalien und Materialien für sein Projekt zu Hause, die er sonst teuer über das Darknet beschaffen müsste.
An seinem Arbeitsplatz klappte Tobias den Laptop auf. „Die Tat eines Irren? Wie kommen die darauf?“, dachte er. Vorsichtig schaute er sich um. Alle Kollegen waren beschäftigt. Er öffnete eine Datei mit der Bezeichnung „Schniedelwutz“ und begann hastig zu tippen. Während er seinen Notizen das Geschehen der vergangenen Nacht hinzufügte, erlebte er alles erneut. Als die ersten Vergiftungssymptome auftraten, hatte er vorgeschlagen, frische Luft zu schnappen. Kaum waren sie ein paar Schritte gegangen, wurde dem Mann übel. Etwas später bekam er keine Luft mehr. Tobias hatte so getan, als würde er den Notarzt rufen und neben dem Sterbenden gewartet, bis die Atemlähmung komplett war.
Dann hatte er vom Handy des Toten die 112 angerufen, sich in seinen Wagen gesetzt und gewartet. Als der Krankenwagen mit der Leiche abfuhr, brauchte er ihm nur zu folgen, um zu sehen, wo sie ihn hinbrachten.
„Alles andere war ein Klacks“, dachte er. „Perfekt. Niemand wird mich je wieder Schniedelwutz nennen.“

Er klappte den Laptop zu und widmete sich seinen Aufgaben.

Auf der Fahrt nach Hause erinnerte er sich wie so oft an den Moment, der von einer Sekunde zur anderen seine Kindheit und sein Selbstvertrauen zerstört hatte. Er war als Zehnjähriger im Kreise seiner Freunde aus dem Schulgebäude gestürmt, lachend, scherzend, unbeschwert. Am Schultor stand seine Mutter und winkte ihm zu.
„Schniedelwutz!“, hatte sie gerufen. „Wir fahren aufs Land! Komm, beeil dich, mein Schniedel!“
„Schniedelwutz?“ Seine Schulkameraden waren stehen geblieben. Ungläubig sahen sie in die Runde. „Schniedel?“ Dann brachen sie in wieherndes Gelächter aus. Sie stießen einander in die Seite und wollten gar nicht mehr aufhören.
Tobias spürte wieder, wie sich heiße Tränen in seinen Augenwinkeln sammelten. Er hatte sie zurückgezwungen. Nur Memmen heulen. Doch er würde diesen Moment niemals vergessen. Es war der Moment, in dem er begann, seine Mutter abgrundtief zu hassen, aus tiefster Seele und für immer.
Der Spitzname „Schniedelwutz“ oder „Wutzi“ hatte ihn während seiner gesamten Schulzeit verfolgt. Es gab die wildesten Gerüchte rund um diesen Spitznamen. Sie neckten ihn damit, sie mobbten ihn, und er konnte sich nicht wehren. Was hätte er auch tun können? Er war der kleinste Junge in der Klasse, blond, blass, dünn, mit schmalen Schultern, niemand kam ihm zu Hilfe. Seine Mutter hatte ihm von klein auf klargemacht, dass er niemals ein richtiger Mann sein würde. Dafür hätte er aussehen müssen wie ein Südländer, dunkel, muskulös, durchtrainiert, mit dominantem Auftreten. Einer wie er würde nie eine Frau beeindrucken.
„„Bleib einfach für immer bei mir“, hatte sie gesagt, „Lass mich niemals alleine. Nicht so wie dein Vater, dieser untreue Gockel.“

„Nein. So nicht“, dachte er. „Eher wie Schniedelwutz, der Haussklave.“
Tobias strich sich über die Stirn, als könne er die Erinnerung einfach wegwischen. Aber sie hatte sich für immer in sein Gedächtnis eingebrannt.

Zu Hause stellte er die Tasche mit den abgezweigten Laborutensilien ab und öffnete leise die Tür zum Zimmer seiner Mutter.
Eine unangenehme Geruchsmischung aus Krankenzimmer, abgestandener Luft, Essensresten und ihrem aufdringlichen Parfüm schlug ihm entgegen. Angeekelt öffnete er das Fenster zum Garten. Sie schlief fest und schnarchte leise. Halbsitzend, mit schief gelegtem Kopf und geschlossenen Augen lehnte sie in den Kissen. Ihre arthritisch verkrümmten, geschwollenen Hände lagen auf der Bettdecke. Wie Raubtierkrallen wirkten sie mit den rot lackierten Nägeln. Ihre grauen, sorgfältig ondulierten Löckchen zitterten in der leichten Brise, die durchs Fenster hereinwehte. Trotz der späten Stunde trug sie Make-up, einen Lidstrich und einen auffallend roten Lippenstift. Die kräftigen Farben wirkten grotesk auf der welken Haut.
Leise, um sie nicht zu wecken, schlich er hinaus und die Wendeltreppe hinauf.
Endlich! Tobias schlüpfte in den weißen Laboranzug, zog Handschuhe, Atemmaske und Schutzbrille über und stellte sein Material auf dem langen Arbeitstisch bereit. Vorsichtshalber öffnete er alle Fenster. Wenn er mit Formaldehyd arbeitete, musste der Raum gut belüftet sein. Die Dämpfe der Chemikalie hatten es in sich.

Bevor er begann, aktivierte er seinen Laptop und öffnete die Schniedelwutz-Datei. Er wollte jeden Arbeitsschritt seines Projektes genau festhalten und spaßeshalber anonym an die Kripo schicken.

Dann reihte er seine sorgfältig gereinigten Trophäen vor sich auf. Daneben legte er die Silikonbeutel und eine Spritze, in die er bereits etwas von dem Formaldehyd aufgezogen hatte.
Die Ohren hatten es ihm besonders angetan. Groß und fleischig waren sie. Seine eigenen waren klein und fein geformt. Mädchenohren, sagte seine Mutter.
Tobias legte ein Ohr in einen der kleinen Beutel, spritzte soviel Formaldehyd hinein, dass es vollständig von der Chemikalie bedeckt war und verschloss ihn luftdicht. Mit dem zweiten Ohr verfuhr er ebenso. Jedes Teil, Lippen, Nase und Augenbrauen, landete in einem eigenen Beutel. Zum Schluss wendete er sich seinem Paradestück zu. Er hatte sich große Mühe gegeben beim Abtrennen der Männlichkeit, nun wollte er sie so authentisch wie möglich konservieren.
„Und jetzt das große Finale!“

Er holte den fleischfarbenen Anzug aus dem Schrank. Wochenlang hatte er daran gearbeitet. Das Material war elastisch genug, um sich seinen Körperformen anzupassen, ohne Falten zu werfen. Der Anzug hatte einen durchgehenden Reißverschluss bis hinunter zum Schritt und im Kopfteil eine abnehmbare Gesichtsmaske mit Augenlöchern. Sorgfältig klebte Tobias die Präparate auf die Maske.
Dann fixierte er den Beutel mit seinem Paradestück so in der entsprechend eingearbeiteten Ausbuchtung im Schritt, dass sich die Konturen in dem dehnbaren Material perfekt abhoben.

„Zeit für die Anprobe!“
Vorsichtig stieg Tobias in den Anzug und zog die Haube über den Kopf. Er hatte sich absichtlich gegen Haare entschieden. Ein Glatzkopf schien in der heutigen Gesellschaft besonders männlich zu wirken.
Er schloss den Reißverschluss und befestigte die Gesichtsmaske. Das dünne, elastische Material umschmeichelte seinen Körper. Im Haus war es still, so still, dass er das Blut in seinem Inneren pulsieren spürte.
Andächtig betrachtete er sein Spiegelbild im Ankleidespiegel.

„Tobi!“
Wie durch Watte hörte er seinen Namen. Er drehte sich vor dem Spiegel nach links und rechts, strich über die vollen Lippen und bewunderte die männlichen, schwarzen Augenbrauen.
„Tooobiiii!“
Die Stimme seiner Mutter wurde fordernder.
„Schniedelwutz!“
Tobias zuckte zusammen. Ohne nachzudenken, rannte er zur Tür hinaus und die Wendeltreppe hinunter. Wutentbrannt riss er die Tür zum Zimmer seiner Mutter auf.
Erschrocken fuhr sie auf. Als er in seinem Anzug auf das Bett zustürmte, lag Entsetzen in ihrem Blick. Doch dann brach sie in hysterisches Gelächter aus.
„Schniedelwutz“, rief sie lachend. „Du bist ja vollkommen irre!“
Tobias hörte sein Blut in den Ohren rauschen, heiß raste es durch seine Adern. Er zitterte. Ein Laut wie von einem zornigen Raubtier entfuhr seiner Kehle. Vollkommen außer sich ergriff er ein Obstmesser, das auf dem Nachtisch lag, und stürzte sich auf sie.

Hoch aufgerichtet und blutverschmiert stand Tobias danach über ihr wie ein Racheengel. Wie oft er zugestochen hatte, konnte er später nicht mehr sagen. Der süßliche Geruch des Blutes begann, alles andere zu überlagern.
„Ich bin kein Schniedelwutz“, sagte er mit fester Stimme. „Ich bin ein Mann. Ein richtiger Mann.“
Er fühlte sich frei. Zum ersten Mal in seinem Leben.


„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
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#6

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 10.06.2025 18:15
von Gini • Federlibelle | 2.726 Beiträge | 6249 Punkte

@Sturmruhe ein wirklich krasser Text. Chapeau für deine Erkenntnissen in der Pathologie.
Tobi muss sich wirklich gedemütigt fühlen, dass seine Mutter ihn so genannt hat.
Und das noch vor seinen Schulkollegen. Der Arme. Es ist doch so, dass man seine Kinder unterstützen
sollte. Ihn Mut machen und nicht ihr Selbstbewusstsein runtermachen.
Meine damalige Freundin nannte ihren Mann Schniedel. Und er nannte sie Schieter.
Da bleib ich doch lieber bei Hasi.


Gedanken sind nicht stets parat, Man schreibt auch, wenn man keine hat.

Wilhelm Busch (1832-1908)
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#7

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 10.06.2025 20:53
von johanna • Federlibelle | 979 Beiträge | 4589 Punkte

Grins meiner Mutter habe ich mit 14 Jahren gesagt wie ich heisse, damit sie den Namen, mit dem sie mich betitelte, weglässt.


Wahrheit kommt ohne viele Worte aus
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#8

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 11.06.2025 00:22
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Ziemlich harte Kost (vor allem jetzt gerade um die Geisterstunde, bei mir) @Sturmruhe

Tobias familiäre Biographie und ein für ihn besonders einschneidendes Ereignis werden ausführlich und nachvollziehbar beschrieben - für beide (perfide) Taten, die in gewisser Weise zusammenhängen. Natürlich ist es ein individueller Fall, es heißt nicht, dass jeder ähnlich gelagerte so ausgeht. Für ihn ist das die neue „Freiheit“, die er sich auf diese Weise verschaffen konnte

Eines klappt (in Deutschland) nicht: „Dann hatte er mit unterdrückter Nummer 112 angerufen“ - das klappt nur beim Anrufen privater Nummern, dass diese nicht angezeigt wird. Hintergrund bei der Rettung: wenn jemand beim Anrufen bewusstlos wird und die Leitstelle z.B. nur noch dessen Atmung hört, können sie dennoch herausfinden, wer sich meldet und diesem so im besten Falle zeitig Hilfe zukommen lassen

Bei dem Kosenamen „Schniedelwutz“ musste ich an Udo Jürgens und sein Lied über einen ganz harten Jungen (Eigenwahrnehmung) denken - den nannte seine Mutti geradezu respektlos „Schnuckiputzi“

Viele Grüße,
Christian


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#9

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 11.06.2025 02:44
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

@Zivilfahndung

Zitat
Tobias familiäre Biographie und ein für ihn besonders einschneidendes Ereignis werden ausführlich und nachvollziehbar beschrieben - für beide (perfide) Taten, die in gewisser Weise zusammenhängen. Natürlich ist es ein individueller Fall, es heißt nicht, dass jeder ähnlich gelagerte so ausgeht. Für ihn ist das die neue „Freiheit“, die er sich auf diese Weise verschaffen konnte


Nein, um Gotteswillen, nicht jeder Fall muss in diese Richtung laufen. In diesem Fall geht es um einen zartbesaiteten Jungen, dessen übergriffige Mutter versucht, ihn von klein auf so eng an sich zu binden und ihn so zu verunsichern, dass er sie nicht verlässt - anders als der vergraulte Ehemann. Da verheddern sich bei dem einen oder anderen schon mal die oberen "Verkabelungen".

Zitat
Eines klappt (in Deutschland) nicht: „Dann hatte er mit unterdrückter Nummer 112 angerufen“ - das klappt nur beim Anrufen privater Nummern, dass diese nicht angezeigt wird.


Vielen Dank für den Tipp! Vielleicht sollte ich ihn dann vom Handy des Toten aus anrufen lassen, ganz offen, als Hilferuf.

Zitat
Ziemlich harte Kost (vor allem jetzt gerade um die Geisterstunde, bei mir)

Hihihi, ich habe den letzten Teil der Geschichte um die Geisterstunde herum geschrieben!

Danke fürs Lesen und dein Feedback!

Liebe Grüße
Marion


„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
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#10

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 11.06.2025 03:02
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Liebe @Gini,

Zitat
ein wirklich krasser Text. Chapeau für deine Erkenntnissen in der Pathologie. Tobi muss sich wirklich gedemütigt fühlen, dass seine Mutter ihn so genannt hat. Und das noch vor seinen Schulkollegen. Der Arme. Es ist doch so, dass man seine Kinder unterstützensollte. Ihn Mut machen und nicht ihr Selbstbewusstsein runtermachen.


Danke! Und ja, du hast völlig recht, als Eltern haben wir die Verpflichtung, es unseren Kindern so gut gehen zu lassen wie nur möglich, auch emotional! Sonst sollten wir keine in die Welt setzen. Aber wem sagen wir das! Ich kenne hier in Thailand viele wirklich sehr arme Menschen und die meisten haben mehrere Kinder. Sie sind - sozusagen - die Rente, denn was man hier an Rente erhält, ist ein Witz. Die Menschen in Deutschland wissen gar nicht, wie gut es ihnen hinsichtlich des sozialen Netzes geht. Hier ist es so, dass du, solange die Kinder dich brauchen, so gut für sie sorgst, wie möglich. Da kommt es schon vor, dass die Eltern oft nur Reis mit etwas scharfer Würzsauce essen und drei Jobs gleichzeitig ausüben, um das tägliche Schulessen für die Kinder bezahlen zu können. Wenn du alt wirst und deine Kinder erwachsen sind, haben sie umgekehrt die Pflicht, für dich zu sorgen. Damit das auch wirklich klappt, hat man hier mehr als nur ein oder zwei Kinder und man weiß, eins davon wird deine Altersversicherung sein. Oft ist es die jüngste Tochter, die deshalb meistens nie heiratet und bis zum Tod der Eltern mit ihnen lebt. Alle anderen Kinder helfen finanziell. Ab ins Heim? Keine Option! Das tut man einfach nicht, es sei denn, sie wären dort besser aufgehoben.

Zitat
Meine damalige Freundin nannte ihren Mann Schniedel. Und er nannte sie Schieter.Da bleib ich doch lieber bei Hasi.


Absolut! Bei meinem Mann und mir war er Mucki (vom kleinen Muck) und ich war Mäuschen. Allerdings nur, wenn wir unter uns waren. Ich hätte ihn nie so genannt, wenn seine Freunde oder Kollegen dabei waren. Mäuschen hingegen kam schon des Öfteren, aber das war eigentlich ganz niedlich und auf jeden Fall nicht herabwürdigend oder lächerlich. Schniedelwutz oder Schniedel dagegen geht einfach gar nicht!

Danke fürs Lesen und deinen Kommentar..

Liebe Grüße
Marion


„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
Aristoteles

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#11

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 11.06.2025 07:17
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Zitat von Sturmruhe
„Eines klappt (in Deutschland) nicht: „Dann hatte er mit unterdrückter Nummer 112 angerufen“ - das klappt nur beim Anrufen privater Nummern, dass diese nicht angezeigt wird.“

Vielen Dank für den Tipp! Vielleicht sollte ich ihn dann vom Handy des Toten aus anrufen lassen, ganz offen, als Hilferuf.



Das hatte bei einer Fortbildung einmal jemand von der Feuerwehr erklärt, hab es zudem öfter in den Medien gehört. Bei der Polizei ist das ebenso - hatte das schon einmal bei einem Fall dabei und die vermeintlich Anonyme war ziemlich überrascht, als die Polizei auf einmal vor ihr stand …

Ich denke, dass die Lösung mit dem Opferhandy die beste ist. Prepaid (als theoretische Alternative, hatte ich zuerst überlegt) ist zwar noch nicht ganz ausgestorben, wird aber oft schon gar nicht mehr von Anbietern offeriert - und selbst Prepaid kann z.B. zumindest geortet werden, @Sturmruhe

Zitat von Sturmruhe
“Ziemlich harte Kost (vor allem jetzt gerade um die Geisterstunde, bei mir)“

Hihihi, ich habe den letzten Teil der Geschichte um die Geisterstunde herum geschrieben!
(+Smileys)



Klingt irgendwie sehr schlüssig, wenn ich das lese

(sorry, wenn das bei mir nicht immer mit jedem Smiley klappt, in dem Falle bei Zitat, da ich Texte im Editor des Handys vorbereite und danach im Forum einstelle - bei manchen kenn ich den Code inzwischen)


Viele Grüße,
Christian


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#12

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 11.06.2025 09:08
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Dein Tipp war auf jeden Fall sehr hilfreich, @Zivilfahndung, nicht nur für diese, sondern auch für zukünftige Geschichten, in denen so ein Anruf eine Rolle spielen könnte. Ich habe das auch gleich gestern noch geändert!

Prepaid ist hier bei uns in Thailand auch nicht mehr anonym, du musst dich auf jeden Fall registrieren lassen und kannst jederzeit geortet werden, vorausgesetzt, es ist eingeschaltet.

Der Smiley ist übrigens an genau der richtigen Stelle gelandet, hat alles geklappt!

LG Marion


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#13

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 21.06.2025 14:26
von Yggdrasil • Federlibelle | 1.750 Beiträge | 4498 Punkte

@Sturmruhe Würde für eine Barnaby-Episode gut sein. Sehr gern gelesen!


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#14

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 21.06.2025 16:26
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Zitat
Würde für eine Barnaby-Episode gut sein. Sehr gern gelesen!



Danke, das freut mich sehr, lieber @Yggdrasil!

Liebe Grüße
Marion


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#15

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 25.06.2025 07:41
von Anka • Federlibelle | 878 Beiträge | 4048 Punkte

Liebe @Sturmruhe,

ich bin völlig geschockt und angewidert. Was für eine schreckliche Geschichte. Bitte nicht falsch verstehen, ich meine die Tatsache, was Tobi da tut, ist schrecklich. Geschrieben ist die Geschichte so gut, dass Bilder entstehen, die ich niemals sehen wollte. Wie kann jemand soetwas Absurdes bzw. Krankes tun? Dieser Spitzname prägt natürlich, muss für ein Kind furchtbar sein. Meist können die Kleinen sich ja auch dagegen nicht wehren. Verstanden hätte ich, wenn er seiner Mutter etwas angetan hätte. Aber dieser Körperteil-Grusel-Ekel-Part ist definitiv nichts für meine schwachen Nerven. Jetzt weiß ich wieder, warum ich zur Zeit nur Wohlfühlstorys lesen möchte. Was beim Thema Verbrechen natürlich nicht machbar ist.
Fazit, super geschrieben, auch sehr spannend, aber definitiv nichts für Sensibelchen wie mich..


Geschichten schreiben ist wie zaubern!
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