#16

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 25.06.2025 10:28
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Liebe @Anka,

Zitat

Fazit, super geschrieben, auch sehr spannend, aber definitiv nichts für Sensibelchen wie mich..


Das kann ich gut verstehen. Ich selber würde solche Geschichten aus eigenem Antrieb auch nicht lesen und wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen, mir aus eigenem Antrieb einen solchen Plot auszudenken. Ursprünglich handelte es sich um den Auftrag eines Kunden, eine Serienmörder-Geschichte für seine Leserschaft zu schreiben. Die lesen offenbar nur solche Storys. Als er jedoch noch mehr Horror wollte, habe ich beschlossen, den Auftrag nicht weiter auszuführen. Die Fragmente zu der Geschichte blieben aber bestehen und für den Wettbewerb, Rubrik Verbrechen, schien mir die Story passend zu sein. Und leider ist es ja wirklich so, dass es nicht wenige Menschen gibt, die sich aufgrund eines frühen Traumas so krankhaft entwickeln.

Für ein Sensibelchen wie dich, wie du schreibst, sind wahrscheinlich meine Taxigeschichte oder die Thailand Story besser geeignet. Die sind mehr oder weniger lammfromm.

Danke fürs Lesen und dein ehrliches Feedback.

Liebe Grüße
Marion


„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
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#17

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 25.06.2025 21:46
von Jana88 • Federlibelle | 792 Beiträge | 1835 Punkte

Oh mein Gott.
Ich muss zugeben, dass ich mich in sowas super schlecht reindenken kann. Ich weiß, dass sowas alles prägt, aber trotzdem ist das einfach nicht meine Welt.

Das macht einem ja Angst.

Eine sehr gut geschriebene Story über eine schlimme Kindheit und die gebührende Rache!


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Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende *Oscar Wilde
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#18

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 26.06.2025 07:49
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Zitat
Ich muss zugeben, dass ich mich in sowas super schlecht reindenken kann. Ich weiß, dass sowas alles prägt, aber trotzdem ist das einfach nicht meine Welt.



Ganz ehrlich, @Jana88? Meine Welt ist es auch nicht, absolut nicht. Doch mich interessieren Hintergründe, warum tut ein Mensch so etwas? Manchmal reizt es mich einfach, die sogenannte heile Welt zu verlassen und in die dunklen Ecken des Geistes zu schauen, wenn mir ein Thema wie dieses gestellt wird - Verbrechen. Ich habe viel recherchiert, um zu verstehen, an welchen Abzweigungen im menschlichen Geist die Persönlichkeit eines Menschen den "normalen" Weg verlässt, um sich seine eigene Welt zu bauen, basierend auf seinen kindlichen Erfahrungen, einfach um für sich selber eine individuelle "Normalität" zu erlangen, die es ihm ermöglicht, einen unerträglichen Zustand erträglicher zu machen.

Früher in Berlin und Hamburg, als ich noch meine eigene Praxis hatte, kamen Menschen mit den unglaublichsten Vorstellungen zu mir - zum Glück niemand mit einem wirklich schlimmen geistigen Schaden wie beim Tobi im Schniedelwutz - den hätte ich zum Psychiater schicken müssen. Doch auch in verhältnismäßig "normalen" Fällen musste ich mich nicht selten zusammenreißen, um dafür Verständnis zu haben und mit diesen Klienten zu arbeiten. Als Therapeutin musst du das jedoch zumindest versuchen. Oft kamen sie eigentlich wegen eines körperlichen Leidens und die Gedanken- und Erfahrungswelt dahinter erschloss sich vielfach erst im Zuge der Körpertherapie. Irgendwann, meistens erst nach und nach in Schichten, löste sich das Trauma auf und es gab einen Ausbruch. Erinnerungen kamen zurück, Tränen der Wut, Gefühle der Scham, der Demütigung, je nachdem, was die Geschichte dahinter war, meistens jahrelang verdrängt. Häufig ging es beispielsweise um Missbrauch innerhalb der Familie, den die Betroffenen "vergessen" hatten. Der kommt so viel öfter vor, als wir uns alle vorstellen mögen und es kann auch einfach verbaler Missbrauch sein. Ohne Anfassen. Erniedrigen. Aber er ist ebenso vernichtend für die Seele.

Zitat
Das macht einem ja Angst.



Stimmt. Damals wurde mir klar, dass jedes Trauma, das einem Kind oder auch einem Teenager oder jungen Erwachsenen zugefügt wird, Spuren hinterlässt, die sich nicht einfach auslöschen lassen. Wenn sie Glück haben, finden sie einen guten Weg, als Erwachsene damit zu leben. Wenn nicht, kann so etwa passieren wie beim Schniedelwutz.

Nicht umsonst heißt es im Grundgesetz "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Tun wir es doch, öffnen wir manchmal die Büchse der Pandora. Als Eltern, Erzieher und Lehrer sollten wir uns dessen immer bewusst sein.

Zitat
Eine sehr gut geschriebene Story über eine schlimme Kindheit und die gebührende Rache!



D
anke, auch dafür, dass du trotzdem bis zum Ende durchgehalten hast, und natürlich für dein Feedback.
Liebe Grüße
Marion


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#19

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 27.06.2025 20:04
von Doro • Federlibelle | 3.303 Beiträge | 13504 Punkte

Liebe @Sturmruhe ,

also wenn Tobi nicht durchgeknallt ist, weiß ich auch nicht. Ist wohl vererbt worden. Welche Mutter ruft ihr Kind denn bitte "Schniedelwutz"?

Ich hatte das Thema so verstanden, dass man Mitgefühl mit dem Mörder haben soll, das habe ich in dem Fall allerdings überhaupt nicht. Wobei ich vielleicht noch verstehen kann, dass er seine Mutter umbringt, aber den anderen? Ne, dafür hab ich kein Verständnis.

Wie genau der fleischfarbene Anzug aussieht, hab ich nicht verstanden, die Körperteile waren doch alle in Plastikbeuteln. Auch, was er damit wollte. Wollte er so draußen rumlaufen?

Aber es war jedenfalls spannend zu lesen.

Für den Wettbewerb drück ich dir die Daumen.

LG
Doro


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#20

RE: Verbrechen: Schniedelwutz

in Archiv 27.06.2025 20:24
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

@Doro

Zitat
Ich hatte das Thema so verstanden, dass man Mitgefühl mit dem Mörder haben soll, das habe ich in dem Fall allerdings überhaupt nicht. Wobei ich vielleicht noch verstehen kann, dass er seine Mutter umbringt, aber den anderen? Ne, dafür hab ich kein Verständnis.


So habe ich es auch verstanden. Und ich finde schon, dass man Mitgefühl haben kann mit einem Menschen, dessen Seele in jungen Jahren so verletzt wurde, dass sich seine Persönlichkeit krankhaft verändert hat. Er ist nicht wirklich böse, er ist krank und er sieht das, was er getan hat, nicht als böse. Das kann er nicht. Es entschuldigt die grausame Tat natürlich nicht.

Zitat
Wie genau der fleischfarbene Anzug aussieht, hab ich nicht verstanden, die Körperteile waren doch alle in Plastikbeuteln. Auch, was er damit wollte. Wollte er so draußen rumlaufen?


Wenn es so einfach wäre, einen kranken Geist zu verstehen, wären wir alle erfolgreiche Psychiater. Tobi sieht die Plastikbeutel nicht, er sieht nur seine Trophäen, die Dinge, die für ihn Männlichkeit repräsentieren. Er schmückt sich damit und der Anzug ist fürs stille Kämmerlein. Er kann sich mit seinen Trophäen bewundern und er sieht sich endlich als Mann, nachdem er sein Leben lang zu Hause und in der Schule als Schniedelwutz niedergemacht worden war. Der mit dem kleinen Schniedel. Er konnte sich nicht als Mann wahrnehmen, hatte kaum Selbstwertgefühl. Nach der kranken Tat hat er sich endlich behauptet. In seinen Augen war er endlich ein Mann.

Verständnis kann ich dafür auch nicht haben, aber Mitgefühl mit einer geschundenen Seele schon, und darum ging es mir. Zu zeigen, was wir als Eltern, Erzieher, Schüler, Kollegen anderen Menschen unbedacht antun können. Was Mobbing auslösen kann.

Zitat
Aber es war jedenfalls spannend zu lesen.


Das freut mich, danke fürs Lesen und dein Feedback!

Liebe Grüße
Marion




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