#1

Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 06.06.2025 06:18
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

„Was zur Hölle …“

Ich schieße hoch. Etwas Fauchendes fliegt durch die Luft.

„Miau“, schreit das fliegende Etwas und haut mir wenige Sekunden später seine Krallen in den Arm.

Adrenalin geschwängertes Blut rast durch meine Adern, als wäre ich gerade einen Marathon gelaufen. Vorsichtig versuche ich, wenigstens ein verklebtes Augenlid anzuheben. Es ist dunkel im Raum. Nur durch den Vorhangspalt fällt ein Dämmerstreifen. Alles ist ruhig. Ich muss geträumt haben.

Nein. Da ist es wieder: DING DONG DING DONG DING DONG.

Ich hebe das andere Augenlid und versuche, ohne Kontaktlinsen die Uhrzeit zu erkennen. Fünf Uhr früh.

Dann durchfährt es mich siedend heiß. Taxi. Bahnhof Zoo. Hamburg. Buchvorstellung. Mein zugegebenermaßen etwas frecher Debütroman soll als Geheimtipp im Bücherjournal vorgestellt werden. Mit Interview. Die Chance meines Lebens. Und ich blöde Kuh verschlafe beinahe die Abfahrt des ICE.

DING DONG DING DONG DING DONG.

„Ja doch“, schreie ich, springe aus dem Bett und mit einem Fuß gegen irgendetwas Hartes. Scharfer Schmerz links außen unten, sagt mein Warnsystem.

Autsch, mein Zeh, sage ich. Mit einer Hand taste ich nach der Nachtischlampe und schalte das Licht ein, während ich mit der anderen meinen kleinen Zeh reibe. Auf einem Bein hüpfe ich zur Tür. Dort sitzt Kater Buddy und wirft mir den bösen Blick zu. Hoffentlich verzeiht er mir den Flug aus dem Bett. Er kann ziemlich nachtragend sein. Ich streichele ihm den Kopf und er lässt es gnädig geschehen.

„Hallo“, krächze ich in die Sprechanlage. „Nicht wegfahren, bitte. Tut mir leid, ich brauche noch eine Viertelstunde!“

„Ok“, quäkt es aus dem Lautsprecher. „Ist ja ihr Geld.“

Frechheit, so ein Arsch. Typisch Berliner Taxifahrer. Sackgesicht. Mit der vielerorts so beliebten „Berliner Schnauze“ kann ich als Hamburgerin einfach nichts anfangen.

Wütend hüpfe ich ins Bad und überlege, in welchen Schuh ich den bereits zur Würstchenform angeschwollenen Zeh hineinzwängen könnte, während ich im Multitasking Katzenwäsche und Zähneputzen erledige. Duschen wird sowieso überbewertet. Deo, ein paar Pinselstriche um die Augen, Lippenstift, Haare kurz aufrüschen. Wie gut, dass ich Naturlocken habe, da kann das Styling ruhig mal flach fallen. Rein in die Klamotten und in meine aller bequemsten Schuhe. Autsch. Hoffentlich ist der Zeh nicht gebrochen.

Einmal die Duftdusche mit „Miracle“. Ich sende ein Stoßgebet ans Universum, bloß kein Wunder geschehen zu lassen. Wenn alles gut geht, hat auch dieser ICE Verspätung – wie fast alle Züge in den letzten Jahren.

Zum Glück steht meine Tasche fertig gepackt bereit. Ein kurzer Check: Ticket, Ausweis, Geld, Buch, alles da. Schnell noch Kater Buddy für den Tag versorgen, streicheln, knuddeln, tschüss, Tür auf, Tür zu, abschließen.

Die Treppe wäre ich beinahe auf dem Hinterteil hinuntergerutscht, es hüpft sich schlecht auf den glatten Stufen. Irgendwie schaffe ich es dennoch vor die Tür. Da steht das Taxi. Der Fahrer, mit Baseballcap, etwas zu klein für den kurzgeschorenen Kopf, Schirm seitlich links getragen, hat seinen Bierbauch passgenau hinter das Steuer geklemmt. Ich steige ein. Oh nein, ein Rauchertaxi. Ich hasse den Geruch von kaltem Rauch, besonders um diese Zeit und ungefrühstückt.

„Guten Morgen. Tut mir leid, dass Sie warten mussten“ sage ich. „Zum Bahnhof Zoo, auf dem schnellsten Weg, bitte, ich habe die Zeit verschlafen.“

„Wohl zu viel jefeiert, jute Frau“, kriege ich zur Antwort. „Jetzt woll’n se wohl noch, det ick’n Stiebel zufahre, wa?“

Ich beherrsche mich und kneife mir ein Lächeln ab. „Das wäre extrem nett“. Ich lehne mich zurück und greife in meine Tasche, streiche mit den Fingerkuppen über den glatten Einband meines Buches mit dem erhaben gedruckten Titel. Das Buch hat Potenzial, ist die Prognose vom Verlag. Ob ich nicht Lust habe, eine Reihe draus zu machen. Aber sicher doch! Nichts lieber als das!

Der Fahrer dreht sich halb zu mir um und fragt „Wo geht’s denn hin, so früh am Tag?“

Ich denke mir, das geht dich gar nichts an. Doch das sage ich nicht laut. Im Gegenteil, ich muss ihn gut unterhalten, wenn ich will, dass er die Geschwindigkeitsbegrenzung ignoriert. Ich muss meine Sache zu seiner machen. Dann schaffen wir es vielleicht noch rechtzeitig. Also ziehe ich mein Buch hervor und erzähle ihm stolz, dass es heute im NDR-Bücherjournal vorgestellt werden soll.

„Das kleine Schwarze mit den großen Träumen? Mein Cocktailkleid erzählt?“ Er findet seinen Spruch so witzig, dass er sich über seinem Steuer ausschüttet vor Lachen. Das Wiehern geht in Raucherhusten über. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott eben sofort.

Mein Adrenalinspiegel steigt. Ich bin kurz davor, ihm das rechte Segelohr mit dem goldenen Ohrring langzuziehen und umzudrehen. Ein schmerzhafter Griff, den mir ein ehemaliger Catcher gezeigt hat. Er besaß ein Bordell in Hamburg St. Georg, und wenn einer seiner Jungs nicht spurte, führte er sie am Ohr den Gang entlang bis zur Bürotür. Als Strafe und zur Warnung. Es sah lustig aus, war es aber nicht.

Ich beherrsche mich. „Das ‚kleine Schwarze‘ ist eine Frau mit detektivischer Ader“, erzähle ich ihm stattdessen. „Ein schwarzes Schaf der Familie von klein auf, jetzt Alt-Hippie mit Bock auf Herumschnüffeln. Gemeinsam mit Kater Buddy löst sie auf ihren Reisen Fälle, in die sie hineingerät.“

„Und sowat wird jedruckt? Wer liest’n dette?“

„Klar, wird das gedruckt“, sage ich. „Katzenfreunde lesen sowas, Ex-Hippies, Hausfrauen mit Träumen. Wollen Sie wissen, wie mein erstes E-Book hieß?“

„Der Nadelstreifen-Killer mit der roten Unterhose?“

Wieder grölt er vor Lachen. Soll er ruhig. Dafür fährt er jetzt fast 120 km/h auf der 80er-Ringautobahn.

„Nein“, sage ich und lache pflichtschuldig mit. Meine Mutter hatte eine besondere Titulierung für mich, als ich ein Teenager war. Die wurde zu meinem Arbeitstitel für das Buch, und ich habe ihn versehentlich mit hochgeladen. Aus diesem E-Book ist die Idee mit dem kleinen Schwarzen überhaupt erst entstanden. Der Titel hat das Buch zum Amazon-Bestseller hochgepuscht. Dadurch wurde der Verlag auf mich aufmerksam, der nun die neue Reihe herausbringt. Der Titel hieß: ‘Frau Gräfin mit dem fetten Arsch."

Der Fahrer dreht den Kopf und starrt mir einen Moment fassungslos in die Augen. Er läuft rot an. Schlaganfall, denke ich. Dann gibt er Gas und keucht zwischen Lach- und Hustenanfällen: “DET woll’n se im NDR erzählen? Im Spießer-TV? Ab jeht die Post! Det will ick über‘n Bildschirm flimmern sehn!“

Das wird er. Ich sitze im Zug und wir haben eine halbe Stunde Verspätung! Der Himmel hat mein Stoßgebet erhört. Was kann nun noch schiefgehen?


„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
Aristoteles

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#2

RE: Taxi - Hamburg, ich komme!

in Archiv 06.06.2025 16:33
von Gini • Federlibelle | 2.726 Beiträge | 6249 Punkte

@Sturmruhe ich kenne die Story nicht. Aber sie ist sehr lustig und unterhaltsam.
Wir haben auch Berliner Freunde. Sie sind wirklich manchmal schwer zu verstehen.
Vor allem ihr Humor und die sehr direkte Art. Kein bisschen charmant.
Ich finde, alles das hast du super umgesetzt. Und klar, es kann auch manchmal locker
und leicht in einer Geschichte zugehen. Ich finde sie klasse.


Gedanken sind nicht stets parat, Man schreibt auch, wenn man keine hat.

Wilhelm Busch (1832-1908)
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#3

RE: Taxi - Hamburg, ich komme!

in Archiv 06.06.2025 19:27
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Liebe @Gini

Zitat
Wir haben auch Berliner Freunde. Sie sind wirklich manchmal schwer zu verstehen.
Vor allem ihr Humor und die sehr direkte Art. Kein bisschen charmant.


So ging es mir auch, als ich in Berlin lebte. Drei Jahre lang habe ich es ausgehalten, bis ich wieder nach Hamburg zurückgegangen bin. Du hast recht, die waschechten Berliner denken zwar, sie haben Humor, aber der ist, um es nett auszudrücken, extrem schräg und auch ich fand ihn überhaupt nicht charmant!

Zitat
Ich finde, alles das hast du super umgesetzt. Und klar, es kann auch manchmal locker und leicht in einer Geschichte zugehen.

Danke!

Zitat
Ich finde sie klasse.

Das freut mich sehr! Vielen Dank fürs Lesen und dein Feedback!

Liebe Grüße
Marion


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#4

RE: Taxi - Hamburg, ich komme!

in Archiv 06.06.2025 20:54
von Anka • Federlibelle | 878 Beiträge | 4048 Punkte

Liebe @Sturmruhe,
ich habe deine Geschichte mit einem Schmunzeln gelesen. Die Hektrik beim Erwachen, Kater Buddy (der sogar im Buch verkommt), der Zeh - und dann dieser Termin, der so wichtig ist. Echt witziger Taxifahrer, ich mag die Dialoge und die lustigen Buchtitel. Er scheint wirklich ein Berliner zu sein. Ich habe in dieser Stadt lange gelebt und finde ihn authentisch. Schön, dass sie den Zug noch geschafft hat.
Beruht der Text auf eigenen Erfahrungen??
Hat mir viel Spaß bereitet!


Geschichten schreiben ist wie zaubern!
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#5

RE: Taxi - Hamburg, ich komme!

in Archiv 06.06.2025 21:16
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Liebe @Anka

Zitat
Echt witziger Taxifahrer, ich mag die Dialoge und die lustigen Buchtitel. Er scheint wirklich ein Berliner zu sein. Ich habe in dieser Stadt lange gelebt und finde ihn authentisch.

Beruht der Text auf eigenen Erfahrungen??


Vielen Dank, ich freue mich! Der ursprüngliche Text war eine Hausaufgabe. Ich hatte vor Jahren einen Online Krimi-Workshop gebucht und sollte mich dem Trainer vorstellen, er wollte meine Schreibe kennenlernen. Der Taxi-Text war das Ergebnis.

In dem Text kommen die verschiedensten Erfahrungen zusammen: Zeit verschlafen, hektische Versuche, Termine einzuhalten, einen Zug, Bus oder Flug zu erreichen und drei Jahre Berlin. Die Story als solche ist jedoch Fiktion. Was die Buchtitel betrifft ... man hat über die Jahre die verschiedensten Ideen für Buchprojekte. "Das kleine Schwarze" entsprang einer Idee, ein schwarzes Schaf der Familie zur Protagonistin in einer Buchreihe zu machen. Die Sache mit der "Frau Gräfin" stimmt, meine Mutter hatte tatsächlich solche Sprüche drauf, wenn sie mich dazu antreiben wollte, ihr im Haushalt zu helfen, wobei der "fette A***" eigentlich eher ihr eigener war. Doch ein E-Book mit dem Titel habe ich - bisher - nicht veröffentlicht. Sollte ich das vielleicht mal tun?

Ich danke dir fürs Lesen und Kommentieren!

Liebe Grüße
Marion


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#6

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 06.06.2025 21:45
von Carlotta Lila • Federlibelle | 2.665 Beiträge | 12614 Punkte

Liebe @Sturmruhe, da bin ich wieder - ein neuer Versuch (nach turbulenten Monaten), wieder auf der Wiese zu sein...hoffentlich schaffe ich es diesmal

Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, zumindest an den ersten Teil deiner Geschichte kann ich mich aber schon erinnern ... das Bild mit den Locken und dem Kater kam mir doch bekannt vor.

Der Taxifahrer hätte mich auch aggressiv gemacht, den hast du super beschrieben. Aber wenigstens hat ihn sein Adrenalin dann schneller fahren lassen ...

Berliner Humor finde ich auch etwas gewöhnungsbedürftig, durch einen Verwandten (den ich eigentlich gern mag) war ich seit der Kindheit damit konfrontiert. Trotzdem war seine Direktheit mit diesem - ich finde etwas selbstgerechten Humor - öfter Mal wie ein unerwarteter Schlag ins Gesicht.

Auf jeden Fall eine sehr lustig erzählte Geschichte mit viel Situationscomik. Und: Ende gut, alles gut!

Herzliche Grüße
Carlotta Lila


https://www.leseflamme.jimdofree.com

Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben. Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es noch einmal zu versuchen.
Thomas Alva Edison
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#7

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 07.06.2025 02:56
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Liebe @Carlotta Lila,

Zitat
da bin ich wieder - ein neuer Versuch (nach turbulenten Monaten), wieder auf der Wiese zu sein ... hoffentlich schaffe ich es diesmal


das freut mich sehr! Wie ich für mich selber herausgefunden habe, funktioniert es, wenn man sich täglich einloggt und mindestens eine Geschichte liest und kommentiert. Dann gibt es Antworten und die eigenen Geschichten werden auch gelesen, es gibt Feedback ... ja, aber das weißt du ja alles selber. Ich hoffe, du hast inzwischen einen guten Weg gefunden, dich mit deinem nun nicht mehr ganz so neuen Job zu arrangieren und würde es schön finden, wenn du wieder regelmäßig dabei wärst! Deine ganz persönliche Sicht der Dinge fehlt!

Zitat
Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, zumindest an den ersten Teil deiner Geschichte kann ich mich aber schon erinnern ... das Bild mit den Locken und dem Kater kam mir doch bekannt vor.


Ja, die ursprüngliche Geschichte habe ich in den letzten Zügen vom Rindlerwahn geschrieben, als ich bei Ronny den Kurzkrimi-Workshop gebucht hatte. Er wollte nur, dass ich etwas über mich schreibe und war total hin und weg, dass ich ihn gleich mit einer kleinen Action-Geschichte unterhalten habe. Die erzählt mehr über mich, als es den Anschein hat.

Zitat
Berliner Humor finde ich auch etwas gewöhnungsbedürftig, durch einen Verwandten (den ich eigentlich gern mag) war ich seit der Kindheit damit konfrontiert. Trotzdem war seine Direktheit mit diesem - ich finde etwas selbstgerechten Humor - öfter Mal wie ein unerwarteter Schlag ins Gesicht.


Ich erinnere mich an eine total bescheuerte Situation mit einem typischen Berliner Urgestein in der Nacht nach dem Auftritt von Pink Floyd mit "The Wall" nach dem Mauerfall. Ich war mit zwei australischen Freunden von Hamburg mit der Bahn angereist und wir mussten die Nacht totschlagen, bis um kurz nach fünf der erste Zug zurück ging. Wir landeten in einem kleinen Späti, so einem typischen Berliner Kiosk für Getränke, Knabberzeug und Zigaretten, und wollten einfach nur einen starken Kaffee. Es gab auch einen Automaten, an den uns der Kerl verwies. Wir mussten eine spezielle Münze dafür eintauschen. Aber was wir auch versuchten, wir konnten keinen Münzschlitz und keinen Knopf entdecken, der das Teil in Gang setzen würde. Selbst Brian, mein australischer Freund, der mich Mini-Ausgabe um zwei Köpfe überragte, musste passen. Wir baten den Kioskbesitzer um Unterstützung. Mittlerweile hatten sich einige feixende Nachtvögel eingefunden, die am Tresen Bier und Schnaps wegpichelten. Alle lallten blöde Witze über den IQ von Norddeutschen und Ausländern, die kein Deutsch können und keiner kam uns zu Hilfe. Der Ladeninhaber meinte nur, ist doch ganz einfach, Münze einwerfen, Knopf drücken, Becher mit heißem Kaffee rausnehmen, trinken. Wir kamen uns so blöd vor, wie noch nie!

Schließlich schlurfte der sehr bauchige Kerl hinter seinem Verkaufstresen hervor, stieg auf einen Stuhl, der direkt neben dem Automaten stand, ließ sich von uns eine Münze geben und steckte diese in einen ganz oben auf der Automatenabdeckung angebrachten Schlitz, von unten wirklich nicht zu entdecken. Dann drückte er einen ebenso unsichtbaren Knopf und tadaaa! Unten kam Kaffee heraus. Er stieg wieder hinunter, nahm den Kaffeebecher und reichte ihn uns. Das sei eben der Unterschied zwischen einem Berliner und einem Norddeutschen, meinte er. Die einen haben es drauf, die anderen eben nicht. Alle Zuschauer schütteten sich aus vor Lachen, dabei hin und her wankend unter der Wirkung des Hochprozentigen in ihrem Blut. Wir hätten den Kerl samt Bagage massakrieren können!

Diese Art von "Humor" ging mir die ganzen drei Jahre, die ich dort gelebt habe, täglich neu auf den Sack. Er findet immer nur brutal auf Kosten anderer statt. Über sich selber können sie meistens nicht lachen. Das Gute: Man wird mit der Zeit unempfindlicher.

Zitat
Auf jeden Fall eine sehr lustig erzählte Geschichte mit viel Situationscomik.


Danke, das freut mich sehr!

Liebe Grüße
Marion


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#8

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 07.06.2025 10:54
von johanna • Federlibelle | 979 Beiträge | 4589 Punkte

Diese Art von "Humor" ging mir die ganzen drei Jahre, die ich dort gelebt habe, täglich neu auf den Sack. Er findet immer nur brutal auf Kosten anderer statt. Über sich selber können sie meistens @Sturmruhe
Das war in koeln genauso, aus dem Grund hab ich mich auch gewehrt als mein letzter verstorbener Lebenspartner mich zuerst als koelsches Maedchen betitelte. Das war ich nun wirklich nicht und eine Retourkutsche war ihm sicher.

LG johanna


Wahrheit kommt ohne viele Worte aus
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#9

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 07.06.2025 11:02
von Bree • Federlibelle | 6.317 Beiträge | 28187 Punkte

Liebe @Sturmruhe

auch mir kam die Geschichte gleich bekannt vor, ich hatte sie schon bei Ronny im Forum gelesen. Das schmälerte den Spaß beim Lesen aber nicht, schließlich ist das schon einige Jahre her!
Im Film wäre die Szene, in der sie sich so auf die Schnelle fertigmacht, bestimmt mit einer lustigen Melodie hinterlegt worden. Du hast echtes Kopfkino daraus gemacht. Und auch mir kam der Taxifahrer sehr authentisch vor, obwohl ich in Berlin selbst (soweit ich mich erinnere) noch nie Taxi gefahren bin. Aber solche Kanaillen kennt man ja aus dem TV.

Amüsiert und gern gelesen!

LG
Bree


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Geschichten zu schreiben ist für mich ein Weg, in andere Leben, andere Zeiten, andere Orte abzutauchen. Nebenbei kann man Persönlichkeiten erschaffen und ihr Schicksal lenken. Ich kann mir kein schöneres Hobby vorstellen!


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Alles über meine Bücher & mich findet ihr auf meiner Website: www.brittabendixen.de
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#10

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 07.06.2025 12:33
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Liebe @Bree, @johanna,

danke fürs Lesen und Kommentieren! Schön, wenn ich euch amüsieren konnte!

Zitat
Im Film wäre die Szene, in der sie sich so auf die Schnelle fertigmacht, bestimmt mit einer lustigen Melodie hinterlegt worden. Du hast echtes Kopfkino daraus gemacht. Und auch mir kam der Taxifahrer sehr authentisch vor, obwohl ich in Berlin selbst (soweit ich mich erinnere) noch nie Taxi gefahren bin. Aber solche Kanaillen kennt man ja aus dem TV.


Ich bin mal mit so einem Typen gefahren, es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre auf halber Strecke ausgestiegen. Aber was macht man dann, mitten im ehemaligen Ostberlin, dessen Bewohner damals noch sehr stark ossimäßig gestrickt und wessiwärts ablehnend eingestellt waren. Ein anderer Taxifahrer in der Gegend wäre wahrscheinlich nur eine Fortsetzung der unangenehmem Erfahrung gewesen. Da heißt es dann "Ohren zu und durch!". Ich muss aber sagen, es gab auch nette Berliner, doch hat sich meistens herausgestellt, dass diese Spezies eher zugereiste Nichtberliner waren, die einfach nur lange genug dort gelebt und sich angepasst hatten. Mein Freundeskreis in der Zeit, ich lebte in Charlottenburg, gegenüber vom Charlottenburger Schloss, bestand denn auch aus jener Sorte Berliner.

Zitat
Amüsiert und gern gelesen!


Das freut mich sehr!

Liebe Grüße
Marion


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#11

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 09.06.2025 09:47
von Carlotta Lila • Federlibelle | 2.665 Beiträge | 12614 Punkte

LIebe @Sturmruhe!
Dacht' ichs mir doch, ich kannte einen Teil des Textes vom alten Forum
Ich finde es gut, wenn man alte Geschichten wieder überarbeitet. Ich mache das auch manchmal mit alten Bildern ... die kann dann echt keiner mehr da kommt was ganz Neues dabei raus!

Zu meiner Arbeit: die wird in dieser Form Ende Juni enden. Die Firma hat im September/Oktober 2024 ganz viele neue TrainerInnen eingestellt damit sie dem Ansturm an StudentInnen aus vor allem der Ukraine, Russland aber auch Kaschstan, dem Iran und weiteren Ländern gerecht werden. Uns wurde (mehrfach übers Jahr) eine unbefristete Anstellung nach einem Jahr Arbeit versprochen. Aber eigentlich war es schon im richtigen Vertrag, den wir erst nach ein paar Wochen nach dem Beginn der Kurse erhielten, schon anders festgehalten. Natürlich ist es normal, dass man erstmal wo befristet arbeitet und dann, wenn alles passt und jeder will, festangestellt wird. Hiee aber gingen mündliche Auskunft und schriftlich Verbindliches krass auseinander (auch in anderen Punkten). Ich hatte im ersten Semester auch so ein Überstundenmodell (38+, bzw. 5 Überstunden die Woche) damit ich - wie es hieß - dann den ganzen Sommer über frei haben kann.
Ich hab mich auch dann zusammen mit einer Kollegin erkundigt, wie dieses Überstundenmodell rechtlich aussieht aber wir bekamen von unserer Arbeiterkammer die Antwort, dass wir uns hier (in einem noch zulässigen) Graubereich bewegen. Typisch Österreich?
Jedenfall habe ich dann von unserer Projektleitung erzwungen, dass die uns das Überstundenmodell mal schriftlich erklärt. Das hat denen nicht geschmeckt, glaube ich. Im März 2025 erklärten sie mir dann, ich dürfte keine Überstunden mehr machen, dieses Modell sei ausgelaufen. War es doch nicht, denn ich traf einige Kollegen, die dann sehr wohl Überstunden machten, um sich einen langen Sommerurlaub zu erarbeiten. Um es kurz zu machen: Im März sagte uns die Firma noch, wir würden alle fix übernommen werden, sprich der Vertrag sei nur eine Formalität. Auch Mitte Mai bekam ich noch die gleiche Auskunft, dass ich mir keine Sorgen machen brauche. Aber ca. zwei Wochen später erklärten sie mir (und vielen anderen) dass der Vertrag doch nicht verlängert wird. Mit einer Einstellungszusage könnten wir uns im Oktober 2025 wieder melden, wenn Anfang Oktober der neue Schwung Studies kommen.
Erst hat mich das ziemlich geflasht aber jetzt bin ich eigentlich ganz glücklich, dass es so gekommen ist, denn ich kann mich umschauen und auch ganz neu orientieren. Finanziell werde ich eine Zeit über die Runden kommen und vielleicht krieg ich auch einen Sommerkurs an der Uni. Schauen wir mal! Durch den vielen Stress in dem Jahr hab' ich auch so garnicht auf meine Gesundheit geschaut und das war gar nicht gut. Ein Grund mehr, eine so stressige Arbeit mit so einem (sehr unfreundlichen und nicht wertschätzenden Arbeitgeber) zu quitten. Da sind ja auch noch ganz viel andere Sachen passiert, die nicht in Ordnung waren.
Mit stressig meine ich also nicht den Unterricht (der mir bis jetzt super gefällt) sondern das ganze unkorrekte und chaotisch wirkende Drumherum ... ist es doch Wahnsinn, hat es doch Methode


Zum Berliner Humor: genau, der geht oft auf Kosten anderer und wirkt selbstgerecht. Sehr interessant, wei sich das überhaupt so entwickelt hat! Überhaupt das Thema Humor - wenn ich z.B. schweizer Kabarettsendungen ansehe, kann ich oft den Witz nicht immer nachvollziehen und kann so also nicht spontan lachen. Das Thema geht ziemlich tief in Mentalität und Kultur hinein finde ich!

Danke für deine Antwort ... ja ich hab' mir auch vorgenommen jeden Tag mal nur auf einen Text zu antworten (was ich zwar gestern nicht gemacht habe) aber ich glaube, es sollte doch zu schaffen sein.
Bei uns ist gerade ein recht verregnetes und kühles Pfingstwetter, ich hoffe, es wird später noch ein bissl wärmer, dass man Radfahren gehen kann!

Ganz liebe Grüße Charlotte


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#12

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 09.06.2025 10:20
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Liebe @Carlotta Lila,

Zitat
Erst hat mich das ziemlich geflasht aber jetzt bin ich eigentlich ganz glücklich, dass es so gekommen ist, denn ich kann mich umschauen und auch ganz neu orientieren. Finanziell werde ich eine Zeit über die Runden kommen und vielleicht krieg ich auch einen Sommerkurs an der Uni. Schauen wir mal! Durch den vielen Stress in dem Jahr hab' ich auch so garnicht auf meine Gesundheit geschaut und das war gar nicht gut. Ein Grund mehr, eine so stressige Arbeit mit so einem (sehr unfreundlichen und nicht wertschätzenden Arbeitgeber) zu quitten. Da sind ja auch noch ganz viel andere Sachen passiert, die nicht in Ordnung waren.Mit stressig meine ich also nicht den Unterricht (der mir bis jetzt super gefällt) sondern das ganze unkorrekte und chaotisch wirkende Drumherum ... ist es doch Wahnsinn, hat es doch Methode



Dabei hörte sich doch anfangs alles ziemlich positiv an - wenn auch die Einarbeitungszeit, wie du damals sagtest, deine ganze Aufmerksamkeit benötigte und du deshalb bei uns eine Pause machen musstest. Aber ganz ehrlich? Nimm es als Erfahrung, sozusagen als warnendes Geschenk für die Zukunft, merke sie dir gut, damit du nicht noch einmal auf einen solchen Arbeitgeber hereinfällst, dann richte dein Krönchen und begebe dich auf zu neuen Ufern. Es gibt immer ein Morgen mit oft unverhofft erfreulichen Gelegenheiten und Möglichkeiten, die man immer erst dann wahrnimmt, wenn man etwas Vergangenes abgehakt hat. Ich drücke dir die Daumen, dass das in deinem Fall bald, aber nicht zu bald geschieht, damit du noch Zeit hast, emotional, mental und auch gesundheitlich wieder in Balance zu kommen.

Und hey, nutze die gewonnene Zeit zum Schreiben und hier bei uns zum Austausch. Ich freue mich jedenfalls, dass du wieder dabei bist!

Liebe Grüße
Marion


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#13

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 10.06.2025 07:10
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Auf die Bahn ist halt Verlass, @Sturmruhe

Die Anfangssituation ist schrecklich. Ich hab zwar nicht oft verschlafen (sogar einmal zum Nachtdienst ist das passiert, nicht bloß bei Früh) - aber das war für mich jedes Mal der Horror. Ich konnte den ganzen Tag vergessen

Fatal in einem Falle: die anrufende Kollegin hatte aufgeregt eine recht „krakeelende“ Stimme. Ihr „Wo bleibsse denn?“ klang, als würde eine der Bewohnerinnen anrufen! Vor Schreck saß ich so was von aufrecht innerhalb einer Millisekunde (das Telefon hatte ich neben dem Bett)

Die Charaktere wirken schon durch den ersten Eindruck vom Fahrer, als wären sie gegensätzlich, letzten Endes gibt er doch Gas. Das lenkt den Verdacht in die Richtung, sie schaffen es trotz Verstößen nicht. Die Alternative, ein pflichtbewusster Schleicher (und dass dennoch reicht), wär ebenfalls nicht uninteressant gewesen, hätte sich ggf noch mehr ziehen lassen (wobei ich die Anzahl der genutzten Zeichen nicht abschätzen kann)

Viele Grüße,
Christian


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#14

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 10.06.2025 09:13
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

Oh ja, @Zivilfahndung,

Zitat
Die Anfangssituation ist schrecklich. Ich hab zwar nicht oft verschlafen (sogar einmal zum Nachtdienst ist das passiert, nicht bloß bei Früh) - aber das war für mich jedes Mal der Horror. Ich konnte den ganzen Tag vergessen.


verschlafen finde ich auch fürchterlich - und ich bin ausgesprochen gut darin! Ich habe schon alles verpasst, Züge, Flüge, Verabredungen, Termine, wobei, seit ich in Thailand lebe, passiert mir das seltener.

Zitat
Die Charaktere wirken schon durch den ersten Eindruck vom Fahrer, als wären sie gegensätzlich, letzten Endes gibt er doch Gas. Das lenkt den Verdacht in die Richtung, sie schaffen es trotz Verstößen nicht. Die Alternative, ein pflichtbewusster Schleicher (und dass dennoch reicht), wär ebenfalls nicht uninteressant gewesen, hätte sich ggf noch mehr ziehen lassen (wobei ich die Anzahl der genutzten Zeichen nicht abschätzen kann)


Wie viele Zeichen ich letztendlich genutzt habe, kann ich gar nicht genau sagen, sicherlich weniger als die erlaubten 10.000, aber mehr als das Minimum. Eigentlich habe ich den Text nur eingereicht, um überhaupt einen Beitrag zum Wettbewerb beizusteuern. Das Business English Projekt ist erst seit letzten Freitag abgeschlossen und ich war nicht sicher, ob ich es noch rechtzeitig schaffen würde, meinen geplanten Verbrecher-Text fertigzustellen. Deshalb habe ich die bestehende Geschichte nur überarbeitet und abgegeben. Mir ging es zum einen ums Taxi als Thema, zum anderen aber auch um Action, Schnelligkeit, eine Prise Humor und eine gewisse Atemlosigkeit, wie sie auftritt, wenn man die Zeit verratzt hat und nicht sicher ist, ob man noch rechtzeitig ankommt. Deshalb wollte ich den Text auch nicht künstlich in die Länge ziehen. Ich bin ganz zufrieden mit dem, was dabei herausgekommen ist. Wäre der Taxifahrer, wie von dir als Möglichkeit angedacht, einer von der behäbigen, pflichtbewussten Sorte gewesen, hätte meine Protagonistin ihn vermutlich auf dem Weg umgebracht.

Danke fürs Lesen und dein Feedback!

Liebe Grüße
Marion


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#15

RE: Taxi: Hamburg, ich komme!

in Archiv 21.06.2025 15:04
von Yggdrasil • Federlibelle | 1.750 Beiträge | 4498 Punkte

@Sturmruhe Echter Stress!
Meine innere Uhr weckt mich immer 5 Minuten vor der Zeit. Trotzdem stelle ich den Wecker. Warum auch immer. Ich bin sichr, würde ich ihn nicht stellen, würde auch meine innere Zeit nicht funktionieren.
Viel Erfolg!


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