#1

Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 24.05.2025 19:49
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Der Fall „Heinrich“


Mein Handy klingelte. »Corinna«, murmelte ich. »Die issoch zu ’em Unfall raus?« Ich nahm den Anruf an, stellte auf Lautsprecher und meldete mich.
»VU mit Kind«, teilte die Motorradpolizistin mit. Sie war bei der Schutzpolizei. Dass sie sich bei Judith und mir meldete, bedeutete, dass sie ihn als keinen gewöhnlichen Unfall einschätzte. »Hier sind ’n paar Dingens auffällig, Nick. Dat Kind wurd au’m Bürgersteig angefahren und der Pkw-Lenker hatte sich in ’em Wagen verschanzt. Bis wir kamen, Festnahme widerstandslos.«

Vor Ort waren auf dem Asphalt Stellen mit Kreide markiert. Ein Opel Astra Kombi aus den frühen Neunzigern mit beschädigter Front stand auf der Straße. Auf dem Gehweg lagen unzählige leere Verpackungen medizinischer Utensilien und Blut war zu sehen. Der Fahrer, ein Holger Weppler aus dem Stadtteil Werden, einundvierzig, saß in Gewahrsam in einem der Streifenwagen.
»Mir sagt der Name wat«, meinte ich. »Nur komm ich nich drauf?«
»Die Demenz schreitet eben unaufhaltsam fort«, ärgerte mich Judith.
»Kannst Du ihn denn zuordnen?«
»Nich wirklich, Nick.«
»Peinlich für dat junge Alter.«
»Werd nich frech, Du tattriger Greis!«
»Hatte ‘ne Gerüstfirma«, unterbrach Corinna die Käbbelei. »Is vor ’nem Jahr pleite gegangen.«
»‘ne Gerüstfirma, pleite?«, wiederholte ich. »In diesen Zeiten?«
»Dinge gibbet«, bemerkte Judith. »Wat is mit ‘em Opfer?«
»Is auf ‘em Weg in et KH«, berichtete Corinna. »Unzählige Knochenbrüche, mutmaßlich innere Verletzungen, der Doc sprach von Lebensgefahr.« Sie schüttelte den Kopf. »Zehn is er, der Heinrich von Westen.«
Da fiel er, der Groschen!
»Nun ahn ich, wer de Fahrer is.« Ich sah zu Judith, die leicht nickte und seufzte. Einsätze, die nie aus dem Kopf gehen. Selbst Jahre später nicht!
»Die Aussagen der diversen Zeugen liegen weit auseinander«, fuhr Corinna fort. »Bis Tempo achtzig und zwanzig Meter Flug det Körpers. Wie dat mit Zeugen so is, ne? Zu schnell war dat Äutoken aber auf alle Fälle, denn hier ist dreißig. Vorher wartend in ‘ner entfernten Parklücke gestanden, dann voll Karacho beschleunigt. Denkt anne schweren Verletzungen det Kindes.«

Der Fahrer saß mit seinem Anwalt im Verhörzimmer. Ein vertrauliches Gespräch, daher war das Mikro ausgestellt. So ganz einer Meinung waren sie nicht, wie wir durch den einseitigen Spiegel sahen. Wir, das waren neben Judith und mir Susanne Oßwaldt, die Leitung des Reviers Rüttenscheid, und die Staatsanwältin Frau Ahlbeck.
»Der Anwalt schwitzt Blut und Wasser«, vermutete Susanne, »während der Fahrer die Ruhe selbst ist.«
»Wär ich der Anwalt«, setzte Frau Ahlbeck fort, »würde ich ihm raten zu schweigen, bis mehr bekannt ist.«
»Der Zustand det Jungen is unklar«, meinte Judith. »Sie kämpfen um ihn.«
»Ausgang fuffzich-fuffzich«, ergänzte ich. »Für ’en Fahrer bedeutet dat im negativen Falle Körperverletzung mit Todesfolge.« Neben weiteren Delikten wie dem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.
»Wenn wir ihm ‘en vermuteten Vorsatz nachweisen können, erfüllt et gar Mordmotive.«
»Dat stimmt, da hasse recht. Für ihn steht viel au‘m Spiel.«
»Scheint so, der Fahrer möchte nicht schweigen«, tippte die hochbegabte Susanne. »Wirkt erleichtert, irgendwie. Wie geht Ihr vor?«
»Sensibel und zuhörend«, antwortete Judith knapp.
»Dat kann sie echt«, fuhr ich fort. »Wenn dat jemand weiß, dann ich!«
»Bürschken«, drohte Judith mit erhobenem Zeigefinger, »komm Du mir später inne Wohnung!«
»Wat dann, Judith?«
»Dann wird Dir ganz sensibel wat passiern.«
Susanne und Frau Ahlbeck grinsten. »Sie wollten die beiden haben, Frau Oßwaldt«, meinte die Staatsanwältin. »Beide zusammen, meine ich.«

Die Befragung zum Unfallhergang stand als Erstes auf der Agenda. Ich schaltete das Mikro ein, Judith die Kamera und das Aufnahmegerät. Die ersten Worte waren meine Aufgabe.
»VU zwischen Pkw-Lenker Holger Weppler und Fußgänger Heinrich von Westen. Anwesend sind Herr Weppler, der Anwalt Dr. von Herrmann Junior, KOKin Judith Reiter und KHK Nick Fengler.«
Judith setzte sich und legte eine Akte auf den Tisch. Sie enthielt zur Zeit nur die persönlichen Daten der Beteiligten sowie Bilder vom Unfallort. Ich nahm neben meiner Partnerin Platz, versetzt.
»Haben Sie von dem Jungen gehört?«, wollte der Anwalt wissen. Er hatte zuvor noch ein Vieraugengespräch mit Frau Ahlbeck geführt. Ein Geständnis war für die Polizei die einfachste Art der Aufklärung und konnte einen strafmildernden Anreiz haben.
»Leider nich, is noch im OP«, musste ich verneinen.
»Mein Mandant möchte sich dennoch zum Vorfall äußern.«
»Gut.« Judith schob die Akte ein Stück zur Seite. »Sie waren heute in Rüttenscheid mit Ihrem Wagen unterwegs, Herr Weppler?«
»Das ist richtig, Frau Kommissarin«, antwortete er.
»Wo wollten Sie hin, von Werden aus?«
»Ich bin nur durch die Gegend gefahren.«
»Waren Sie zufällig vor Ort? Da, wo der Unfall passierte?«
Herr Weppler atmete einmal durch. »Nein«, antwortete er ruhig.
Ich beobachtete ihn bei den weiteren Fragen, die sich mit dem genauen Unfallhergang beschäftigten. Er war auf keinen Fall kalt und abgebrüht, eher nachdenklich. Wie konnte es zu dieser Tat kommen? Empfand er nun Reue für die aktuelle Tat?
Ich wusste, was drei Jahre zuvor vorgefallen war. Mit Judith war ich sogar als Erstes vor Ort auf dem Hof der Grundschule gewesen. Wie hatten wir da unter Druck gestanden!
»Woher wussten Sie, dass Sie ihn dort antreffen?«, wollte Judith in diesem Moment wissen.
»Ein Bekannter hatte von einem neuen Mitschüler seiner Tochter erzählt. Sie geht auf eine Sonderschule. Niemand weiß dort von seiner Biografie. Er wurde nach der Tat gut abgeschirmt, es drang wenig nach außen. Mir als Beteiligtem aber war der Name bekannt. Heinrich als Vorname in diesem Alter ist nicht allzu verbreitet. Ein Wunder, dass sie in der Nähe geblieben sind, nicht weiter weggezogen.«
Judith und ich hatten Heinrich damals zu seinen Eltern gebracht. Er war zu dem Zeitpunkt sieben. Eine Seelsorgerin begleitete uns, eine Dame vom Jugendamt kam dazu. Zusammen standen wir vor dem Haus, das eher wie eine Festung wirkte. Vorsichtige Eltern, die den Sohn mit dem SUV gern bis auf den Schulhof gebracht hätten. Involviert war ebenso ein Psychologe, der Heinrich einen langen und schwierigen Weg prognostizierte. In dem jungen Alter solch ein Ereignis, das war schwer zu verarbeiten.
»Für meine Frau und mich war unser Sohn ein großes Geschenk«, erzählte der Fahrer.
Judith lehnte sich zurück und neigte ihren Kopf zur Seite, um ihm zu signalisieren, dass sie ihm zuhörte.
»Es war eine Risikoschwangerschaft. Wir wussten nicht, ob wir einem gesunden Menschen das Leben schenken würden. Nicht, ob es für beide gefährlich werden würde bei der Geburt, für meine Frau und für ihn. Beide waren wohlauf. Von weiteren Kindern rieten sie uns ab. Wir hatten nur ihn. Er hat sich prächtig entwickelt. Ein kluger Junge, stets mit guter Laune. Ja, er war ein Sonnenschein.«
Er griff zu einem bereitgestellten Wasser und trank es zur Hälfte aus.
»Es war ein Spielzeugauto, das er Heinrich klaute und kaputt machte. In der Pause auf dem Schulhof. Das war nicht schön, das war nicht nett. Heinrich hatte ein Messer dabei. Ein sieben Jahre alter Junge! Wo ist da die Verhältnismäßigkeit? Mein Sohn ist noch auf dem Hof verstorben.«
Er faltete seine Hände wie bei einem Gebet ineinander.
»Als Ihre Kollegen, ein älterer und eine ganz junge, die Nachricht überbrachten. Wie sensibel sie das machten! Vor allem vor dem jungen Mädel ziehe ich noch heute den Hut. Ich glaube, sie war in den Zwanzigern. Hätte sie keine Uniform getragen, hätte ich sie mit der Seelsorgerin verwechselt.«
Lena zählte aktuell zu meinem insgesamt fünfköpfigen Kripoteam. Ich war froh, dass ich sie für dieses gewinnen konnte. Von ihr stammten ebenfalls einige Bilder zum Unfall, die sie mit einer Drohne aufgenommen hatte.
»So ein Ereignis, das verändert vieles. Der einzige Sohn, weg! Nie wieder mit ihm schwimmen oder Fußball spielen. Kein ‚Papa, erklär mir das doch einmal …‘, wenn ihm in der Schule etwas unklar war, oder wenn Mitmenschen sich für ihn unerklärlich verhielten. Kein ‚Mama, ich will keinen Spinat‘, den sie ihm daher immer mit Pommes servierte. Die gab es nur zu Spinat. Damit hat sie ihn bestochen.«
Ich merkte, dass ihm das Sprechen schwerer fiel und seine Augen zu glitzern begannen. Einiges saß tief, sehr tief drinnen. Dabei gab es nicht nur von Seiten der Polizei unterstützende Angebote für Opfer von Straftaten.
»Freundschaften gingen in die Brüche. Viele wissen nicht, wie sie mit so was umgehen sollten, oder dass einfach Zuhören schon hilft. Es muss nicht immer jeder Tipps parat haben, es sind keine großen Worte nötig. Keine Phrasen wie: Man müsse nur nach vorne sehen, Wunden heilt die Zeit. Wie oft so und ähnlich gehört? Die Arbeit, in die ich mich stürzte, wuchs mir über den Kopf. Ich konnte mich oft kaum konzentrieren, immer mehr ging schief. Vergessene Termine, falsche Planungen. Unzufriedene Mitarbeiter, die Ärger und Druck von den Kunden abbekamen. Zu Hause lauter Streit, leider blieb es nicht nur dabei. Wir wurden sogar handgreiflich gegeneinander. Wie viel zerschlagenes Geschirr und sonstige Gegenstände wir dazu seitdem hatten? Meine Frau putzt und ich halte mich mit Gelegenheitsjobs auf. An ein festes Arbeitsverhältnis ist nicht zu denken. Wir sind pleite, kaputt, wie die Ehe.«
Er brach in Tränen aus und trank das restliche Wasser auf, bevor er fortfuhr: »Alles wegen einem Spielzeugauto! Wir hätten das ersetzt, gratis noch weitere dazu. Stattdessen ein Messer! Wie können Eltern ihrem Kind so etwas mit in die Schule geben?«
Wobei dieses bisher trotz viel Zeit nach wie vor ungeklärt war. Ich schenkte ihm erneut Wasser ein.
»Nichts ist mehr, wie es einmal war, und wird das auch nie mehr werden. Alles, was mir etwas bedeutet hat, ist weg. Die Scheidung läuft und die finanzielle Situation ist prekär. Was bleibt mir denn noch? Die Auslöser des Ganzen führen inzwischen wieder ein völlig normales Leben. Sollen die doch spüren, wie es ist ohne eigenen Sohn, was daraus resultiert!«


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#2

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 25.05.2025 19:12
von Gini • Federlibelle | 2.726 Beiträge | 6249 Punkte

@Zivilfahndung Puh, das war harte Kost, deine Story. Aber Hut ab, du hast sie sehr realistisch geschrieben.
Total glaubwürdig und ich konnte das Unglücks des Vaters nachvollziehen. Ost ist es ja so, dass beim
Tod eines Kindes die Ehe kaputt geht. Jeder trauert auf seine Weise, aber viele kommen dann nicht mehr zusammen.
Statt sich gegenseitig zu stützen. Aber Selbstjustiz auszuüben, ist auch keine gute Idee.
Die Verantwortlichen sind die Eltern. Warum geben sie einem Siebenjährigen ein Messer mit in die Schule?
Das ist unglaublich. Das Kind, der Heinrich war in dem Alter viel zu unwissend bei dem was er tat.
Sein Auto, was er wohl sehr geliebt hat, wurde ihm weggenommen. Da war diese Art Rache wohl seine einzige Möglichkeit.
Ziemlich aktuelles Thema, mit der Gewalt von Kindern und Jugendlichen.
Was ist das eigentlich für eine Sprache, die du in der Geschichte verwendest? Ruhrpott? Kenne ich mich nicht so mit aus.


Gedanken sind nicht stets parat, Man schreibt auch, wenn man keine hat.

Wilhelm Busch (1832-1908)
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#3

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 26.05.2025 16:23
von Bree • Federlibelle | 6.317 Beiträge | 28187 Punkte

Lieber @Zivilfahndung

tatsächlich eine heftige Story, und leider nicht gerade unrealistisch in den heutigen Zeiten. Wirklich krass, wie ein Streit über ein Spielzeugauto eskalieren kann - und welche Folgen das nach sich zieht.

@Gini
ich kann nicht glauben, dass die Eltern ihrem Sohn ein Messer 'mitgegeben' haben. Sowas macht doch wohl niemand, erst recht nicht in dem Alter. Vielleicht hat Heinrich es irgendwo gefunden oder irgendein 'Kumpel' hat es ihm gegeben. Warum die Herkunft nicht geklärt ist, verstehe ich zwar nicht ganz, aber möglich ist auch das.

Man spürt die Erleichterung des Mannes, und rein menschlich gesehen ist seine Tat nachvollziehbar, moralisch aber natürlich fragwürdig. Zahn um Zahn, sozusagen. Selbstjustiz ist keine Lösung, und er wird nun vermutlich ins Gefängnis gehen, für lange Zeit, wenn der Junge stirbt. Dann hat er neben Frau, Sohn und Job auch noch seine Freiheit verloren.
Ob das der richtige Weg für ihn war? Ich bezweifle es.

Bewegend geschrieben. Viel Glück beim Wettbewerb!

LG
Bree


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Geschichten zu schreiben ist für mich ein Weg, in andere Leben, andere Zeiten, andere Orte abzutauchen. Nebenbei kann man Persönlichkeiten erschaffen und ihr Schicksal lenken. Ich kann mir kein schöneres Hobby vorstellen!


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#4

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 26.05.2025 18:28
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Vielen Dank für Eure Rückmeldungen, insbesondere die Einordnung der schweren Thematik sowie deren Umsetzung, @Gini und @Bree


Zitat von Gini
Was ist das eigentlich für eine Sprache, die du in der Geschichte verwendest? Ruhrpott?



Bei Judith & Nick oder Corinna ist es Ruhrpott. Lena (die hier nicht redend vorkommt) vermischt den Wahl- gern mit dem Heimatdialekt Berlinerisch und Jugendsprache


Zitat von Gini
Die Verantwortlichen sind die Eltern. Warum geben sie einem Siebenjährigen ein Messer mit in die Schule?



Zitat von Bree
ich kann nicht glauben, dass die Eltern ihrem Sohn ein Messer 'mitgegeben' haben (…) Warum die Herkunft nicht geklärt ist, verstehe ich zwar nicht ganz, aber möglich ist auch das.



Da - ja, das kommt tatsächlich vor - waren meine beiden Ermittelnden „damals“ uneins, als es passierte: Nick konnte sich nicht vorstellen, dass Heinrich sich das Messer genommen hat. Für Judith war das indes die wahrscheinlichere Variante

Hintergedanke, warum das bis heute nicht geklärt ist: die Eltern sagen, sie hätten es nicht getan, und bei dem Jungen war es bisher nicht herauszufinden, ob er es selber genommen hat oder von wem er es ggf bekommen hat

Ich habe einmal Bericht über Kinder gelesen, die „straffällig“ (z.B. Unfälle) wurden. Das ist unglaublich langwierig, je jünger sie sind, kritische Ereignisse aufzuarbeiten. Er geht „heute“ nicht umsonst auf die Sonderschule


Viele Grüße,
Christian


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#5

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 28.05.2025 12:43
von Sturmruhe • Federlibelle | 3.144 Beiträge | 16876 Punkte

@Zivilfahnund

Schwerer Tobak, deine Geschichte, die du sehr einfühlsam geschrieben hast! Leider wird unsere Gesellschaft immer brutaler und die Kinder nehmen sich die Erwachsenen als Vorbild. Du findest Gewalt im Fernsehen, online - jedes Kind hat heute ein Handy und Zugang zu den schlimmsten Geschichten - zu Hause zoffen sich die Eltern, in der Schule wird gemobbt und geprügelt, Kinder werden online bloßgestellt. Da ist es kein Wunder, dass so manches Kind meint, es ist völlig okay, ein Messer mit sich herumzuschleppen. Und wer eins dabei hat, benutzt es auch irgendwann. In deiner Geschichte ist deshalb ein Kind gestorben, ein Vater hat seine Arbeit verloren, eine Ehe ist zerstört und alle sind unglücklich. Ich kann nachvollziehen, wenn auch nicht gutheißen, dass sich der Vater des toten Jungen gerächt hat. Für ihn ist es ausgleichende Gerechtigkeit. Auge um Auge.

Unglücklicherweise ist so etwas schon lange kein Einzelfall mehr. Ich frage mich, wo das hinführen soll.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Wettbewerb!

LG Marion


„Wir sind das, was wir wiederholt tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“
Aristoteles

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#6

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 29.05.2025 09:07
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Vielen Dank für die positive Rückmeldung und die Einschätzung „Schwerer Tobak“ in Kombi mit „einfühlsam geschrieben“ sowie die guten Wünsche, @Sturmruhe

Das, was eine positive Hilfe darstellen könnte (z.B. Zugriff auf Medien, Kontakt tausendfach), kann leider ebenso negative Auswirkungen nach sich ziehen

Eltern sind bei der Erziehung sehr verschieden (falls überhaupt viel Zeit dafür haben), und sofern ein Kind heute überhaupt noch beide Teile hat oder deren Ehe / Beziehung intakt ist

Mich erschreckt generell, dass straffällige Kinder immer jünger werden, so wählte ich damals den Siebenjährigen für die ursprüngliche Story

Letzte Woche wurde eine mutmaßlich rechtsextreme Terrorzelle zerschlagen, bei Razzia in Hessen, Meck-Pomm und Brandenburg wurden fünf Verdächtige festgenommen

Erwachsene ?? Nee, im Alter zwischen 14 bis 18 Jahre !!

Viele Grüße,
Christian


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#7

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 05.06.2025 07:24
von Anka • Federlibelle | 878 Beiträge | 4048 Punkte

Hallo @Zivilfahnung, deine Geschichte hat mich ziemlich fertig gemacht. Du hast das Thema sehr gut umgesetzt und es am Ende geschafft, dass ich mit dem Täter mitfühlen konnte. Obwohl diese Tat sein Leben nun noch kaputter macht. Rache ist nie eine Option. Spannend und autentisch geschrieben.


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#8

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 07.06.2025 13:43
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Danke für Deine positive Rückmeldung, @Anka

Ich sah vor vielen Jahren eine kanadische Serie namens „Flashpoint“ über ein Spezialkommando. Letzteres klingt eventuell so wie: wenn die ausrücken, dann ist es gefährlich, sie kämpfen gegen die Brutalsten. Dabei hatte die Serie oft auf ganz normale Leute gesetzt, die durch ungünstige Geschehnisse in diese prekäre Lage kamen, dass das Kommando anrückte. Das hatte bei mir Eindruck hinterlassen. Eventuell zahlt sich das bei manch meiner „Bösen“ aus. Bei den ersten dreizehn Folgen (glaube, so viele waren es) mussten das Spezialkommando dazu nur zwei Mal final schießen, ansonsten konnten sie es mit Geschick lösen, ein weiterer Pluspunkt für diese Serie

Viele Grüße,
Christian


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#9

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 07.06.2025 17:21
von johanna • Federlibelle | 979 Beiträge | 4589 Punkte

Harte Kost - ich möchte hier niemand sein, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Was es heisst ein Kind zu verlieren weiss ich gut, wieviel Kraft es kostet. Ueberbringer einer wirklich einschneidenden Nachricht zu sein ist auch in meinen Erfahrungen festgeschrieben. Da kann alles an Reaktion vorkommen, Rache, Beziehung zerstört, Wut, Trauer mit nachfolgender Depression. Nein danke das muss mir wirklich nicht mehr passieren. Das Thema ist sehr gut umgesetzt und leider passieren solche Dinge immer öfter, die abgestumpfte Brutalität nimmt leider zu und auch die Taeter werden immer jünger.
Danke fuers lesen lassen


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#10

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 08.06.2025 08:52
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Danke für Deine positive Rückmeldung, @johanna

Mag die Polizei geschult sein mit dem Umgang Betroffener, in der Realität kommen (abhängig von dem Geschehenen) nicht selten gleich Seelsorger mit. Ich baue sie hin und wieder gern mit ein (z.B. bei der drei Jahre zuvor spielenden Originalgeschichte), weil ich ihre Arbeit als wichtig empfinde. Das immer-jünger-werden war damals meine Motivation, diese Idee der Messerstecherei auf dem Hof einer Grundschule umzusetzen, bevor es nun zu dieser drastischen Fortsetzung kam

Viele Grüße,
Christian


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#11

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 17.06.2025 20:33
von Jana88 • Federlibelle | 792 Beiträge | 1835 Punkte

Oh weia, so ein schlimmes Thema. Da habe ich die ganze Zeit mitgelitten.
Spannend geschrieben und der Dialekt hat mir sehr gefallen.


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Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende *Oscar Wilde
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#12

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 17.06.2025 22:40
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Danke für Deine Rückmeldung, @Jana88

Wenn ich das Mitleiden bei Dir ausgelöst habe, ist ein Ziel der Geschichte erreicht - und schön, dass der Dialekt dabei nicht gestört hat (ist hier auf der Wiese sowieso weniger das Problem als anderswo)

Viele Grüße,
Christian


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#13

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 21.06.2025 14:35
von Yggdrasil • Federlibelle | 1.750 Beiträge | 4498 Punkte

@Zivilfahndung Ein wirklich starker Text..
Ich allerdings tue mich schwer, Dialekte zu lesen, da sie mich stark von der Geschichte ablenken. Ich selber schreibe gern in der plattdeutschen Sprache, was oft zu der Antwort führt "kann ich nicht verstehen".
Viel Erfolg!


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#14

RE: Verbrechen : Der Fall Heinrich

in Archiv 21.06.2025 23:18
von Zivilfahndung • Federlibelle | 954 Beiträge | 11470 Punkte

Danke für den „wirklich starken Text“ @Yggdrasil

So ganz kann ich ihnen den Dialekt nicht austreiben, auch wenn sie sogar hochdeutsch beherrschen (hier zum Teil beim Verhör von Judith eingesetzt)

Das wird bei der Stuntszene, wo sie hauptsächlich miteinander kommunizieren, sicher nicht leichter (wobei dort mehr Fließtext sein könnt)

Dass sie einmal (fast) ausschließlich hochdeutsch sprechen, ist bisher nur bei der Geschichte gegen Rechts vorgekommen, die gerade noch einmal überarbeitet wird

Ich stehe fremden Dialekten generell durchaus positiv gegenüber, manches braucht ggf etwas Gewöhnung. Wie das mit Platt ist, weiß ich aber nicht, denn ein Platt haben wir in meinem Ortsteil ebenso, und da versteh selbst ich fast nur Bahnhof … die Älteren hier beherrschen das noch

Viele Grüße,
Christian


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